Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 251)
- Language
- German
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227 ifyn ergangenen Rufe Folge zu leisten, bezahlte jedoch diese Treue gegen seinen Beruf mit dem eigenen Leben. Als er von der Hochzeit zurückkam, trug er die Keime einer Todeskrankheit in sich,; er legte sich hin und starb. Am Begräbnißtage war Alles über die seltsame Wandlung erstauntdie mit Ehaje's Wesen zauberähnlich vorgegangen war. Es waren Zweifel entstanden, ob sie überhaupt weinen könne, und nun zerfloß sie in Thränen; die rührendsten Klagen entströmten ihrem Munde,-sie nannte den Dahingeschiedenen „die Krone ihres Lebens", niemals habe es einen „feineren" Menschen auf der Erde gegeben, nur leider Gottes sei er nicht verstanden worden; nur sie allein habe ihn erkannt und verstanden. So klagte und weinte sie, und nur Wenige mochten es ahnen, daß hinter der rauhen und abstoßenden Außenseite, ihres Wesens ein seltsames Gefühlsleben sich verbarg, das mit eifersüchtiger Scheu über seine eigenen Ausbrüche wachte - Die alte unbeugsame Natur Ehaje's trat daher alsbald wieder in ihr Recht. Sie schlug alle Anerbietungen, die man der verlassenen Witwe machtemit bitteremTroße aus; sie beleidigte die Leute, die sich ihr mit dergleichen mildthätigen Absichten nahten. Die „Annehmerin" nannte man sie in der Gasse, und sie war stolz auf diesen Titel. Das Eine stand fest in ihr: um diesen Titel war es geschehen, sobald sie den Menschen das Recht einräumte. Dank von ihr zu heischen. Dagegen sträubte sich der verborgenste Nerv ihres Innern; und so lebte sie in stolzer Genügsamkeit Jahre lang fort, bis ein Ereigniß eintrat,, das ihr den andern Beinamen : „Chaje mit der Thür" zu Wege brachte. In der Gasse lebten zwei Brüder: stille, unbeachtete Leute, um die sich, die Wenigsten kümmerten. Sie waren einfache „Dorfgeher" und kamen oft Wochenlange von ihren Wanderungen 15*