Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 246)
- Language
- German
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f — 222 — „Ich sag's ja immer," rief sie und schüttelte ihren wilden Kopf leidenschaftlich dazu, „Eine wird einmal Landrabbinerin, und das bist du. Aus lauter Frömmigkeit wirst du mir die Freundschaft noch aufsagen, wie das einmal mein Geschwisterkind Perlchen gethan hat." „Um Gotteswillen, du Klippe (böser Geist) spaß' nicht mit solchen Sachen", beschwor die Andere, indem sie umsonst versuchte, der übermüthigen Sprecherin mit der Hand den Mund zu versperren. „Wirst Du mich reden lassen", schrie das kecke Mädchen überlaut. „Und was ist denn das für ein Unglück, wenn man sich von einer guten Parthie unterhalt? Ich fürchte mich vor keinem Manne! „Schweig, schweig, Marianne!" mahnte die Andere, „es ist doch noch Bußsabbat, und man darf seinen Mund nicht aufthun zu solchen Reden." „Ich red' wie ich will," sagte Marianne mit spöttisch abwehrender Geberde, „und etwas abzubüßen haben wir Beide nicht, weder Du, noch ich. Das kann vielleicht erst kommen, wenn wir einen Mann haben werden. Bis dahin ist es aber noch weit genug, es sieht sich ja kein Mensch auf uns um. Meinst Du nicht auch, Täubchen." Die mit diesem Namen Angeredete war bis jetzt, dem Gespräche abgewandt, dagesessen; das fahle Licht der aufsteigenden Mondesfichel war an ihrem Antlitze gleichsam hangen geblieben, und hatte demselben einen Ausdruck traumhafter Zerstreutheit verliehen. Das Mädchen zählte etwa sechzehn Jahre, erschien aber in d.iesem Augenblicke bedeutend jünger. „Ich werde fasten," meinte Täubchen mit einer Art erschreckenden Ernstes. „An Deinem Hochzeitstage," ergänzte die übermüthige