Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 101 (sequence 125)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-2609300--5426-2612777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 Familiengeistes, und er fing an zu begreifen, daß das Judenthum etwas ganz anderes, als ein theoretisches System sei, aus dem man sich halbjährig abprüfen lassen könne. „Jude ist der Name eines eigenthümlichen Charakters, Judenthum ist eine Welt von Ideen, Gesinnungen, ein eigentümliches reichgestaltetes und reichhaltiges Leben" sagte er, „zu welchem man nicht so leicht gelangt, wie ich zu meiner alle Halbjahr eintreffenden „Eminenzklaffe" aus der Religion gekommen bin. Wäre ich nicht Alexander, ich möchte Diogenes sein, und hätte ich Zeit, so würde es mir nicht an Lust fehlen, hier dieses Stück Weiberliteratur durchzulesen. Ich möchte doch einmal erfahren, mit was für Anschauungen, Bildern und Ideen unsere alten Mütterchen aufgenährt wurden. Denn nachgerade werde ich aus dieser Rumpelkammer ein zweiter Famulus Wagner hinausgehen, der „zwar schon Vieles weiß, aber gerne Alles wissen möchte." — „Wenn es nur nicht schon zu spät wäre, erwiederte ich, fast schon so spät, wie für uns heute noch in die Stadt zurückzukehren. Die Sonne stehet schon sehr tief und beeilen wir uns nicht, so werden wir vor Nacht kaum mehr die sechs Meilen, welche zwischen dem Judenthum in der Rumpelkammer und den Israeliten der Gegenwart liegen, zurücklegen können. „Was thut es auch? entgegnete mein Freund. Die Nacht verspricht lau und lind zu werden, und die Geschäfte drängen nicht so sehr. Eine Nacht im Dorfe hat überdies für uns Städter einen eigenen Reiz, und ich habe nicht wenig Lust mich beherbergen zu lassen. Wir genießen noch den schönen Abend im Freien, der Cicerone stärkt einstweilen seine Lunge in der frischen Gebirgsluft, unter Mondenschein und Sternenschimmer kehren wir dann unters Dach wieder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.