Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 124)
- Language
- German
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100 seinen Juden einen Mendelssohn und den Berliner Culturverein gegeben — und deutscher Geist drang in alle Poren dieser Juden ein, die vom Rheine bis zum Bosporos hin wohnen." „Indessen wäre ich doch begierig, unterbrach mich August, zu wissen, was für Auswahl der gute Juig zu treffen verstand. Da ist gleich so ein dickleibiges Buch. Was mag das wohl enthalten?" „Das Buch nennt sich: „Kommt und schauet" und ist eine Paraphrase zu den Büchern Moses, die, wie alle Umschreibungen den Text in einem Worte mehr sagen Läßt, als er in ganzen Bänden je verantworten könnte. Ueberdies ist dies Buch der Hauptrepräsentant der Weiberliteratur, die Quintessenz aller Bibellektüre, Hauspostillen, Unterhaltungs¬ und Erbauungsschriften. An den dünnen Faden ivgettb eines Bibelverses reihet sich oft eine Perlenschnur von bunten Märchen und Schnurren, die den verschiedensten Zeitaltern angehören. Da wird Adam in sehr tiefsinnige Disputationen mit König Herodes verwickelt und Noe bringt Toaste auf den mächtigen Cyrus aus. Abraham hat es schwarz aus weiß, was der Prophet Jsaias von ihm denkt, sinnt über rabbinische Satzungen nach, Sara backt regelmäßig die vorgeschriebenen Sabbatbrote und hält ihre „fleischigen und milchigen" Teller in bester Ordnung." August hatte nun wieder andere Bücher aus dem Schreine geholt: die „Seelenfreunde" mit ihren schauerlichen Geschichten, das „Buch der Frommen," die „Leuchtlampen," die Zuchtruthe," das „Thatenbuch" und ähnliche Herzensstärken. Ich mußte noch lange und lange erklären und belehren. In August dämmerte es allmälig aus, Jtzig und dessen Weib wurden ihm zu Verkörperungen des jüdischen