Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 111)
- Language
- German
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87 I denthurn liebt in seinen Sinnbildern nicht jene Unmittelbar- | feit, die nichts weiter zu errathen und nichts zu deuten übrig j läßt. Das Bild und Gemälde ist ihm zu begrenzt und abgeschlossen für die Unendlichkeit der Ideen. Ueberdies sagt ihm i die Ruhe in der ewig tobten Form nicht zu, der stets bewegte! Geist wird nur von lebendiger That mit sortgeriffen, und sucht i sich daher auch in Thaten und Uebungen, im lebendigem Cere- I moniell seinen Ausdruck. Die Produkte des Pinsels oder Meisels können daher nicht Träger der Ideen sein, die sich nur als ein Thun oder- Nichtthun, als ein Ueben oder Entsagen sinnlich darstellen. Dagegen liebt der Jude die Zeichen. Erinnerungsmahle, die nur. im entsernten und mittelbarenZusammenhange mit der Idee stehen, und die Thätigkeit der Phantasie entfesseln, daß zwischen sie und ihren Gegenstand sich eine lange Reihe j von Mittelgliedern einschieben lassen. j Das Gemälde dort ist eine zum Lindenbaum verzeichnete Palme, unter der ein Hund mit Mähnen sitzt, der wohl einen Löwen vorstellen soll. Darüber ein Drudenfuß in dessen mittlerm Raume das Wort Misrach oder Osten in zolllangen Buchstaben mit allerlei kalligraphischem Launenspiel verzieret prangt. Nach dieser Weltgegend wendet der Betende sein Angesicht, und denkt an Zion's vormalige Größe, an den alten Opferdienst, an alle Tempel, die jemals auf Morija standen, und gehet im Geiste ein Stück Culturgeschichte durch, die von Osten nach Westen sich bewegte. „Und diese Porträts hier?" fragte August. Sie werden doch wohl keine Heiligenbilder sein. — Da sei Gott vor! Es sind im Gegentheile nur die Bildnisse Ihrer Wohlgeboren der Herren Kreis- und Ortsrabbiners, die vorsichtig genug waren, sich früher porträtiren zu lassen, und unter Glas und Rahmen zu kommen, da sie