Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 109)
- Language
- German
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j Nun fiel's ihm ein sich einen Herd zu gründen und J eilte Gattin sich zu führen. — Welche dreiste Herausforderung j an das Schicksal — und wie angemessen ward die Kühnj heit bestraft, daß der Jude es wage, das unstreilbarste Na- > turrecht anzusprechen! Das arme Schneiderlein hatte veri gcssen, daß zwischen Liebe und Ehe, zwischen dem Manne; und Gatten noch ein riesiger Berg von bestempeltem Papier stehe, den der Jude emporzuthürmen, zu erklimmen und dann n-ederzusteigen habe, um wenn er nicht mittlerweile den Hals darüber gebrochen, sein angestammtes Menschenrecht als hohe Gubernialgnade beschnitten und verklausulirt in Empfang zu nehmen. Was hatte Jtzig nicht alles in gestempelten Papieren zu beweisen, zu versichern, zu verbürgen — und das einzig und allein, weil er ein Jude war, und hintendrein mußte er noch erst beweisen, daß er das Judenthum für das er ] lebte, litt, blutete, auch kenne, und zwar von der Perspektive j aus, in welcher es dem Kreishauptmann und seinen Schrei-? bern erscheint. Endlich war auch der Berg erstiegen, und Jtzig führt, nach dreijährigem Suppliciren, das die Halste seines mühsam errungenen Vermögens verschlungen hatte, die Braut als eheliche Gemahlin heim. Mittlerweile hatte die j Geschichte ein neues Schibolet heraufgeschwemmt, es kam die Zeit, da man Nationalitäten im Subskriptionswege begründete, ein Zwangsanlehen zur Errichtung politischer Programme eröfstrete, und durch Feusterzertrümmerung um Sympathien warb--und Jtzig's Fenster waren auch nur aus Glas und das Pförtlein seiner Hütte nur aus Holz. Das edle Nationalbewußtsein'vertrug sich mit Jtzig's Judenthum nicht — und ein hochpolitischer Kravall warf den armen Mann auf's Siechenbette. Vier Wochen später weinten eim Witwe mit zwei Kindern am Grabe des armen Dorf-