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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 84

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 84 (sequence 108)
Language
German
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84 girte Unrecht, die theologische Lieblosigkeit, ein Gesetz voll Hohn und Haß gegen das Judenthum anderseits waren die Quälgeister, die ihn die dornenvolle Bahn seines Märtyrerthums hindurch peitschten und trieben. „Du bist ein Jude," scholl es ihm von allen Seiten höhnend, drohend, neckend, kränkend entgegen. Nicht Berge nnd Ströme hemmten seinen Lauf, sondern sein Judenthum. Da war es eine Stadt, die das große Recht besaß, das Unrecht der Intoleranz zu üben; dort war's eine Zunft, die dem Juden den Eintritt verwehrte- Ueberall war sein Gott besteuert, fein Glaube mit unerschwinglichem Wegzolle belegt; wie Bleigewichte hingen die beiden Silben „Jude" ihm an Leib und Geist. Nach unsäglichen Geld- und Zeitopsern, nach unzähligen Demüthigungen, Prüfungen und Verletzungen seiner Menschenwürde, die er in „Judenämtern," Herbergen, Werkstätten über sich ergehen lassen mußte, erhielt er endlich das Diplom als approbirter Schneidermeister, um einen neuen bittern Kampf für sein Judenthum einzugehen. Da war's der Jude, dessen Concurenz die löbliche Innung für eine Giftpflanze erachtete, dort war's wieder der Jude, dessen Ansässigkeit der hochlöbliche Magistrat für gefährlich hielt. So pilgert er von Olt zu Ort, von Stadt zu Stadt, ihm will nirgends des Handwerks goldener Boden werden, bis er endlich in einem Dorfe findet, was er in vornehmen Städten lange vergeblich gesucht: Menschen, die noch nicht civilisirt genug waren, die Schneiderei vom theologischen Standpunkte aus zu betrachten, und zwar darum, weil noch kein anderer Kleidermacher dort gewohnt. — Nun baue dir dein Haus und singe deine Lieder — wo keine Schneider wohnen, da lass' dich ruhig nieder. Das Haus war bald gefunden, die Kunden stellten bald sich ein, und Jtzig glaubte nun an Frieden. 4

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