Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 77 (sequence 101)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2609281-2609300--5402-2612753
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 ] mit der Bibel umzuspringen wissen. Wie diese so lange hinein ] kommentiren und so Vieles herausdeuten, bis jede kalligra-! phische Laune eine Bedeutung' erhält, jeder Schreibefehler Gedankenwelten in sich schließt, so studirt man Augenbrauen, Nasenwurzeln, Mundwinkeln. Stirnwölbungen, Gefichtsmuskeln und nannte das Phifiognomik. Die Phrenologen und Kranioskopen maßen Hirnschalen, Schädelknochen, Schläfen-, Keil- und Siebbeine sammt Fugen und Nähten, und meinten nichts Geringeres als das Dachfenster entdeckt zu haben, durch welches man dem Menschen bis auf den Grund hinein ins Wesen sieht. Und doch halten auch diese modernen Wahrsager vor den alten Chiromanten Und Zigeunerweisen nichts als das Alter der fortgeschrittenen Zeit und die bürgerliche Ehre voraus. Ja! wenn man noch vor einigen Jahren behauptete, die Menschen aus dem Mechanismus ihrer Handschriften erkennen zu wollen, so war solche Diagnosis um nichts zuverlässiger als die Prognofis, die aus dem Phosphorgehalte dev leiblich genossenen Speisen auf die Gedankenmacht der Seele schließen wollte. Kurz all diese Operationen liefen darauf hinaus, den Geist erst auszutreiben, um ihn recht fest halten zu können. — Wir schicken dieß voraus, damit sich Niemand wundere, wenn wir behaupten, daß es bei der Erforschung der Nationalcharaetere. bei Ergründung des Volksgeistes noch bunter und wunderlicher zuging. Besonders erfinderisch waren die gelehrten Herren, wo es galt, die jüdische Nationalität zu schildern. Denn dabei kam es weniger auf ein Urtheil als auf Rechtfertigung des Tadels, weniger auf Erforschung als auf Beschimpfung an. Das Urtheil stand' schon lange zuvor fest, ehe es begründet wurde, und ihm fehlte nur eine Kleinigkeit: — der B ew eis', und diese Geringfügigkeit ward bald -gefunden. Die Ktknioftopen fanden allerlei Beulen und-'Schwielen an den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.