Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 102)
- Language
- German
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78 Juden, die freilich lange zuvor durch Steinwürse und Schläge, die man vorläufig ohne Beweis ihnen zugefügt, entstanden waren; — aber fie waren einmal da, und galten nun als Zeugniß der Verworfenheit. Die Nationalökonomen wiesen auf Kerker und Verließe hin, wohin man die Juden gebannt, und fanden darin den gewünschten Beweis. Theologen weissagten aus ihnen unverständliche Talmudstellen, Naturforscher erbitterten den Nationalcharakter aus dem Gerüche, Juristen aus Mützen und Röcken, Philologen fanden aus Sprachschnitzern und Wortverrenkungen den Menschen heraus. In den neuesten Zeilen hat man den jüdischen Fuß wie Thierklauen studirt, und mittelst vergleichender Anatomie hat ein deutscher Gelehrtre ganz glücklich den zuverlässigsten Maßstab für den jüdischen Geist aus Ferse und Sohle herausgesunden. Ein geistreicher Philosoph hat vor wenigen Wochen noch die Entdeckung gemacht, daß die Nationalität aus den Hüsten der Frauen und der Art, wie die Männer ihre Hüte tragen ganz gründlich erkannt werden könne, und ist ihm auch die Folgerung gelungen, daß an eine Emanzipation der Juden nicht zu denken sei, bis ihre Frauen andere Hüsten bekommen und ihre Männer zu einem Hutmacher in die Schule gehen. Wenn nun Hut und Hüfte, Gruß und Fuß, Tracht und Geruch so ausgiebige Quellen der Menfchenkenntniß für die gelehrten Herren waren,, wer darf sich nun verwundern, daß mein Freund August das Judenthum an einer Rumpelkammer zu studiren und kennen zu lernen vermeinte? Ist denn eine Rumpelkammer nicht in der That das Mausoleum, in dem die Reste verlebter Tage geborgen liegen, die Gruft, die das Letzte umschließt, was von einer ganzen Vergangenheit uns übrig blieb? Betretet mit Ehrfurcht die Rumpelkammern!