Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 100)
- Language
- German
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76 - Es ist wirklich zum Erstaunen, welche abenteuerliche Verj suche schon in dieser Richtung gemacht worden, und auf welche ] Irrwege man gerieth, um die rechte Fährte aufzufinden: Alle 1 diese Unternehmungen gingen von dem Einen Grundgedanken ■ aus, den Menschen in Orten, Zeiten und Lagen zu erforschen, wo er des Forschers Absicht nicht merkt oder doch nicht zu vereiteln im Stande ist. Bald fiel man wie ein ungebetener Gast zur ungelegenen Stunde ins Haus, daß die Seele nicht Zeit gewinne, aus ihrem Negligle herauszutreten. „3m Spiele, im Rausche, im Zorne", heißt es im Talmud, „kannst du Menschen ergründen." „Im Traume, im Wahne, im Taumel", sagte ein Grieche, „mußt du sie überraschen." Das heißt wohl nichts anders, als: Studire den Menschen, wenn er eben nicht zu Hause ist, ergründe des Geistes Sein, wenn er für kurze Zeit er selbst zu sein aufgehört hat. In gleichem Sinne ließ man über große Herren vom Kammerdiener, über gelehrte Professoren von ihrem Famulus sich unterrichten, über berühmte Frauen galten die Zofen als Orakel, und die Farbenreiber sollten über Künstlernaturen Auskunft geben. Als man im Mittelalter mit der Natürlichkeit den Frieden und die Wissenschaft verloren, und in der Verzweiflung zur Un- und Uebernatur seine Zuflucht genommen hatte, glaubte man auch diese-Frage wie andere dadurch zu lösen, wenn man ihr so weit als möglich aus dem Wege ging. . Als man! Lebe n selixire aus t o dt e n Stoffen brauen wollte, fand mau es auch in der Ordnung, die Menschen dort zu erforschen, wohin weder Leben noch Menschthum reicht. Astrologen haben aus der Sterne Lauf, Chiromanten aus den Lineamenten der Hand Charakter und Geschicke herausgelesen und vererbten bis auf die neuesten Zeiten diese Auslegekunst, welche mit den I Zufälligkeiten des menschlichen Aeußern> wie. gewisse Exegeten j