Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 97)
- Language
- German
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73 besaß, so daß sie, die man sonst eine „todte" nennt, unter seiner Feder zur blühendsten Jugendschönheit wieder auflebte. An dieser Schilderung erkennt der Leser gewiß den herrlichen Mann, den wir hier im Sinne haben — Naphtali H artwig Wessely ist sein Name. Wer hat seinen Kommentar zum 3. Buche Mosis gelesen, ohne seine immense Gelehrsamkeit, wer seine „Lieder des Ruhmes," ohne seine erhabene Dichtermuse und seine seltene Sprachgewalt zu bewundern! Wenn es aber eine heilige,Dankespflicht ist, das Andenken dieses Mannes zu ehren, so hat vor Allem die Schule diese heilige Pflicht auf sich, und namentlich die jüdischeSchule in unsermgroßen österreichischen Vater lande. Denn Wessely, ein sonst stiller, in sich gekehrter Denker, wurde ganz Eifer und Thatkraft, sobald es sich um Schulen und geregelte Lehranstalten handelte. Dafür legen das Philantropin zu Dessau (errichtet um 1776 und die Freischule zu Berlin (1778) lautes Zeugniß ab. Und als Oesterreich's großer Kaiser Josef II. an die jüdischen Bewohner seines Staates das Edikt ergehen ließ, allenthalben dem Bedürfnisse entsprechende Schulen zu errichten, sich der Landessprache zu bedienen und ihre Kinder zu Handwerkern heranzubilden, und in Folge dessen ein wahrhaft panischer Schrecken sich verbreitete, als hätte es gegolten, dem Glauben der Väter Lebewohl zu sagen da trat unser Naphtali muthig hervor, um für die ihm sc heilige Sache des Unterrichtes zu streiten. Aber nein, nicht streiten wollte er, dies war dem sanften Herzen des Dichters so fern, wie dem Süd der raube