Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 95)
- Language
- German
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71 N ist dazu berufen und verpflichtet, das Andenken dieses gros ßen Mannes in Ehren zu halten, der vor Allem däS unsterbliche Verdienst hat, für das jüdische Unterrichtswesen i eine neue Aera eröffnet zu haben? „Moses Mendelssohn — sagt der geistreiche Kayserling, der in neuester Zeit das Leben und die Werke dieses jüdischen Weltweisen beschrieben — versetzte den tödtlichsten Stoß den polnischen Lehrern, welche die Worte der heiligen Schrift in abgeschmackter und lächerlicher Weise interpretirten, statt sie zu übersetzen und zu erläutern. Diesen unwissendsten aller Idioten und rohesten aller Jugendpeiniger, welche sich in die Familien der deutschen Juden einnisteten, war durch I Mendelssohns Pentateuch der Weg versperrt. Jeder Deutsche, der etwas auf Erziehung hielt, verschmähte es, seine Kinder länger noch nach dem unästhetischen und unverständlichen jüdisch - deutschen Jargon der polnischen Winkelschulmeister unterrichten zu lassen." Aus Mendelssohns Pentateuchübersetzung lernte unsere Jugend nicht nur das heilige Schriftwort richtiger auffassen, sie lernte zugleich daraus das, was den Menschen so sehr ziert und hebt: rein und fehlerfrei sprechen. Ja, die reinen. Klänge der deutschen Muttersprache wurden ihr um so theuerer, als sie dieselben mit der heiligen Bibelsprache zugleich in sich ausnahm. Ein großer jüdischer Kanzelredner, der jüngst aus dem Leben geschieden, hat es von sich be-! kannt, daß er erst aus Mendelssohns Bibelübersetzung deutsch erlernt, und die meisten jüdischen Zeitgenossen dieses gefeierten Kanzelredners konnten dasselbe von sich sagen. ' Wenn wir jedoch die deutsche Muttersprache hier so nachdrücklich betonen, so wollen wir damit keineswegs sagendaß etwa nur die jüdischen Schulen d eutsch er Zunge das