Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 69)
- Language
- German
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— 45 r Daß diese Frage nur den Sinn haben kann: Was ist das Neue, das Originelle in Philo's Lehre, nicht den anderen: Was hat er überhaupt alles vorgetragen, versteht sich von selbst. Um aber zu wissen, was in seinen Lehren neu ist, muß man nothmendig vorerst wissen, was denn das Alte war. das er angetroffen und zudem er Stellung genommen hat. Mit anderen Worten: Wir müssen wissen, wie weit die Philosophie jener Tage in religiösen Fragen es gebracht hatte, um zu wissen, wie weit Philo die religiöse Frage vorwärts geschoben. Und da muß ich mir schon erlauben, ein wenig auszuholen, um das in's Klare zu sehen. Mit dem Momente, wo die Heiden zu philosophiren anfingen, suchten sie für die Mannigfaltigkeit der Welt, für das unaufhörliche Entstehen und Vergehen, für die regelmäßigen Bildungen und Ordnungen den Grund, den Urgrund, die Urkraft, das Eine, aus dem sich das alles erkläre, aus dem das alles entstehe, kurz suchten sie — Gott Wenn ich sage, daß sie Gott suchten, so meine ich nicht, daß sie mit Absicht und mit Bewußtsein sich dieses Ziel steckten. Sie waren ja eben Heiden und das Wesen des griechischen Heidenthums war nicht blos Vielgötterei, sondern auch das Andere, daß die Götter ihnen zur Welt gehörten wie die Menschen, wie die Thiere, wie die Pflanzen. Und wenn sie sich die Frage vorlegten : Welches ist der Grund für diese Welt, das Eine und Gemeinsame, aus dem sich alles bildet, so hatte diese Frage für sie zunächst den Sinn: Welches ist der Urgrund, das Gemeinsame, ans dem Götter so gut wie Menschen entstehen? Dieser Urgrund wurde nun in der That zuerst rein körperlich, rein materiell bestimmt. Im Kindesalter der Philosophie, wo sie die Probleme und Fragen, die uns drücken, nur eben erst mit unsicherer Zunge