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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 31

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 31 (sequence 55)
Language
German
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31 sprachen. Man nahm Anstoß da, wo man glaubte, daß ein Grieche Anstoß nehmen müßte. Dazu kam noch, daß die Übersetzung, selbst wenn sie ein besseres Verständniß vermittelt hätte als sie wirklich vermittelt, doch nun einmal nicht den Geist des Originals hatte, und daß sie oft da wirklichen Anstoß erregen mußte, wo vielleicht eine Vertiefung in den Geist des Originals den Anstoß beseitigt hätte. Aber noch ein anderes, sehr beherzigenswerthes Moment kam hinzu. Es gibt Zeiten, die für die edelste Einfachheit-keinen Sinn haben, Zeiten der Ueberbildung und Blasirtheit, wo man die tiefe Sprache des Natürlichen und Ungemachten, die Sprache des Gemüthes und der Poesie nicht versteht. Solche Zeiten werden auch niemals die heilige Schrift verstehen. Denn die Schrift verlangt neben Bildung und Wissenschaft vor allem eine Reinheit und Unbefangenheit der Anschauung von ihrem , Leser, die ihn befähigt, in ihre eigene Ungesuchtheit und Naturwahrheit sich zu finden. Darum find selbst zerrüttete Gemüther, wie das eines Byron und eines Heine, weil die Natur ihnen Verständniß der Naturlaute nicht versagt, von dem Zauber der Schrift niemals ungerührt, wenn auch ungebessert geblieben. Nun, die Alexandriner hatten jene Unbefangenheit, jenen Sinn für das Natürliche nicht. Wohl hatte ihr edelster Repräsentant, Philo, eine Gemüthstiefe, die ihn in besseren Zeiten befähigt Hätte, das schlichte Wort der Schrift über die Künstlichkeit der Spekulation zu setzen. Aber er war kein Anfänger, sondern ein Fortsetzer. Für ihn war die künstliche Auslegung bereits Natur geworden. Doch statt im Allgemeinen zu reden, wollen wir concreter sein. „Die Hand Gottes ruht schwer auf ihm," das ist eine bekannte biblische Metapher. Welcher Gebildete unseres

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