Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 50)
- Language
- German
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26 auch die alte Geschichte — wir reden selbstverständlich von der Geschichte der vorzugsweise so genannten Culturvölker und haben Chinesen und selbst Indier und Aegyptier nicht im! Auge — daß die alte Geschichte, sagen wir, in zwei wesent- - lich und wahrhaft von einander verschiedene Hälften zerfällt, in die Zeit vor Alexander dem Großen und nach Alexander dem Großen. Nur die Zeit vor Alexander dem Großen zeigt uns die antike Welt in ihrem reinen und echten Sinne. Was nachher kommt, ist relativ modern, ist alexandrinisch. Der Character der antiken Welt läßt sich kurz so beschreiben. Jedes Volk lebt auf seinem Boden, ohne eine andere als höchstens oberflächliche oder gar friedliche Notiz von dem andern zu nehmen, und erzeugt, als gehörte es mit zu seinem Boden, die Cultur aus sich heraus wie ein Bodenerzeugniß. Da gibt es eine nationale Wissenschaft, eine nationale Kunst, eine nationale Religion, eine nationale Poesie. Was den Alten aber den unauslöschlichen Reiz in unseren j Augen gibt, das ist gerade der Character ihrer Schöpfungen. j Sie haben etwas von den Schöpfungen der Natur, zu der sie selbst gehören und mit der sie an Naivität, Ungezwungenheit und Leichtigkeit zu schaffen wetteifern. Sie sprechen ihre Sprache richtig, aber — es gibt keine Grammatik. Sie dichten was uns noch heute ergreift und rührt, aber nicht nach den Anweisungen einer Aesthetik. Sie denken scharf und tief, aber; es gibt noch keine Denktehre, keine Logik. Sie finden Wahr-; heilen, ohne sich von der Frage ängstigen zu lassen, ob denn der Mensch die Wahrheit zu finden von Natur befähigt sei. Kurz die Alten —oder, wie schon längst bemerkt worden, die Jugendlichen sollten sie heißen und wir sind die Alten — die Alten machten es wie die Natur. Beide schufen gesetzmäßig, ohne sich dieser Gesetze bewußt zu sein, beide i