Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 49)
- Language
- German
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25 darf. — Die Richtung, von der wir reden, hat einen Namen, mit dem wir sie bezeichnen können. Man nennt sie in der Regel von dem Orte, von dem aus, wie aus ihrem Heerde und ihrem Mittelpunkte sie ausging, von Alexandria, die alexandrinische. Aber indem wir diese Richtung mit Namen benennen, erwecken wir noch keine bestimmte Vorstellung von dem, was man sich darunter zu denken hat. Vielmehr ist es unsere Pflicht zu sagen, was der Älexandrinismus sei, oder richtiger es zu zeigen. Denn so wenig es gerathen ist, zu sagend was blau oder roth ist, wie es vielmehr angemessen ist, demjenigen, der diese Farbe kennen lernen will fie geradezu zu zeigen, so ist es besser, statt in knapper Definition den Älexandrinismus zu bestimmen, durch eine Schilderung der Zeit, in der er herrschend gewesen, diese Richtung gleichsam vor das geistige Auge zu stellen. Freilich wird uns das scheinbar einen Augenblick von Philo und von unserem Thema abführen, aber nur um uns desto gründlicher in dasselbe hinüberzuleiten und zu seinem Verständnisse zu befähigen. Es ist bekannt genug, daß man das Ende der sogenannten alten Welt, der alten Geschichte, im Gegensätze zur mittleren und neueren eintreten läßt mit der Zertrümmerung des weströmischen Kaiserthums durch einen deutschen Krieger im Jahre 476 nach unserer gewöhnlichen Zeitrechnung. Wenn man aber meint, daß bis zu dieser Zeit und bis zu dieser Katastrophe die alte Welt unverändert denselben Character gezeigt, daß derselbe Geist sich ausgedrückt hätte in Wissenschaft und Kunst, in Religion und Sitte, in staatlicher und bürgerlicher Existenz, so ist man im Jrrthum. Ohne an der bereits ehrwürdig gewordenen Einteilung der gesammten Weltgeschichte rütteln zu wollen, müssen wir doch sagen, daß