Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 32)
- Language
- German
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8 auf Dich treten", und es hatte bereits die Geduld und die Un-? empfindlichkeit gelernt, „seinen Leib zu einer Straße" für freches! Fußtritte zu machen. Schon damals sagten die Außenstehendes:: von dem jüdischen Volksstamme: „Es hat keine Gestalt, kein Ansehen, nichts Schönes an sich, daß wir es liebgewinnen sollten; es ist verachtet, verlassen unter den Menschen, mit Schmerzen behaftet und mit Leid vertraut." Es wurde damals schon „ge- ' schlagen und gepeinigt und öffnete seinen Mund nicht. Wie ein 1 Lamm wurde es zur Schlachtbank und wie ein Schaf zur Schur ’ geführt, blieb stumm und öffnete seinen Mund nicht." Die Lei- : densschule mit Haß, Verachtung, Spott, Faustschlägen, Fuß- - tritten, Mißhandlungen und Verkennungen, welche der jüdische j Stamm in anderen Zeitlagen lange, lange Jahrhunderte durchj machen sollte und die seiner Miene einen tragischen Zug eini prägte, sie begann schon im babylonischen Exile. I Indessen bildete sich gerade inmitten dieser unsäglichen j Leiden bei der Abtrünnigkeit von der einen und der Muthlosig- : keit und Verzweiflung von der andern Seite ein Kreis von J „Eifrigen," welche sich an den Gott Israels anklammerten! und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgaben. Es | waren die „ Dulder," die Alles über sich ergehen ließen, du; Männer gebrochenen Herzens und düstern Gemüthes, welche in - ihrer innigen Hingebung in ihrer Demuth und ihrer Selbstj losigkeit Alles Gott anheimgaben. Es war der Kreis derer, welche „um Zion trauerten" , welche an den Flüssen Babels weinend saßen, so oft sie des verödeten Heiligthums gedachten, : welche ihre Harfen an die Weiden hängten, um nicht aus , fremdem Lande Zionslieder zu singen Der schwärmerische Dichter. welcher sang: „Ich will meine Rechte vergessen, meine! Zunge soll am Gaumen kleben, wenn ich Dein. Jerusalem, vergäße, wenn ich die Erinnerung an Dich nicht über alle Freuden! L