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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 312

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 312 (sequence 332)
Language
German
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312 nicht, was Du um meinetwegen gelitten hast? Ich habe oft über Dich nachgedacht, Mutter, besonders wie ich in der Fremde war. Da haben sich meine Kameraden oft über mich lustig gemacht, haben mich „Zudenbursch" geschimpft, weil sie gewußt haben, daß ich bei Euch war erzogen worden, aber ich habe mich nie geschämt, und mit Stolz habe ich ihnen gesagt: Und ihr alle zusammengenommen habt keine solche Mutter gehabt! Und nirgends hat es mir so geschmeckt, als an deinem Tische, und nirgends habe ich so geschlafen, als in deinem Hause, und nirgend ist mir so wohl gewesen, als bei Dir! Wissentlich habe ich Dich nie kränken wollen, und jetzt wirfst Du mir vor, ich sei wie ein Dieb in dein Haus eingebrochen und verhüllst dein liebes Gesicht vor mir!" Seine Stimme klang fast wie die eines Weinenden; sie brachte eine wunderbare Wandlung in Sarah hervor. Ihre Augen hatten den gläsernen Glanz verloren, der Entsetzenszug um ihre Mundwinkel war verschwunden. Waren es die Worte Christians, war es die Rückkehr ihres Wesens, das sich von der Gewalt eines unvorhergesehenen Ereignisses aus seiner ruhigen Bahn hatte schleudern lassen? „Du thust mir sehr wehe, Christian," sagte sie mit zuckenden Lippen. „Sieh an, Mutter!" fuhr Christian fort. „Ich bin in guter Arbeit da unten in einer Stadt an der deutschen Grenze gestanden, da haben sie mich unter die Soldaten nehmen wollen, weil jetzt überall in der Welt Krieg ist. Wie ich das erfahren habe, da bin ich auf und davon. Da habe ich eine Sehnsucht nach Euch in mir verspürt, die war nicht zu stillen. Wenn sie dich jetzt in den Krieg schicken, habe ich mir gesagt, und du hast deine Lea nicht mehr gesehen und weißt nicht, was aus ihr geworden ist und was aus ihr werden wird — Denn Lea gehört mir und Du bist nicht umsonst die Mutter von ihr! Siehst Du, wie mir das Alles eingefallen ist,

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