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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 300

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 300 (sequence 320)
Language
German
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300 ihr Sinnen und Denken gesenkt hatte, nichts hörte, als die Stimme der Verwünschung, die ste über ihr eigenes Dasein aussprach. Eines Morgens rief sie der Arzt auf die Seite. „Ihr Mann, Sarah," sagte er, „ist, insoweit ärztliche Hilfe dies bewerkstelligen konnte, jetzt hergestellt. Wenn kein weiterer Rückfall eintritt, wird er auch vollständig genesen. Aber ich fürchte, meine' Prophezeiung wird eintreffen; er wird essen, trinken und schlafen, aber er wird wahrscheinlich nicht mehr zum vollen Bewußtsein kommen. Sein Kopf hat gelitten. Ich sage Ihnen das voraus, weil ich Sie als eine starke Frau kenne... es stehen Ihnen traurige Tage bevor." Sarah vernahm diese Schreckenskunde mit einer Art stumpfer Neugier; sie weinte nicht, sie beugte ihr müdes Haupt unter dem neueissSchlag willen- und widerstandlos; seit dem Unglückstage war ihr die alte Seelenkraft gleichsam abhanden gekommen. Die traurigen Tage, die der Arzt voraus verkündigt hatte, kamen, schneller als sie gedacht hatte. Eines Tages konnte Wolf das Bett verlassen; er war gesund geworden, er aß und trank, aber sein Verstand war der eines Kindes, und nicht einmal ein solcher. Denn das Denken des Kindes geht einer Entwicklung entgegen, Wolf Ungar aber war kindisch geworden mit ergrauten Haaren. An einem der nächsten Tage ward Sarah vor die „Gemeinde" gerufen. Der Vorsteher verkündigte ihr daselbst, wie man sich bei dem Zustande ihres Mannes genöthigt sehe, sich um einen Stellvertreter umzuschauen, da die Gemeinde eines Dieners wohl nicht länger entbehren könne. Das solle jedoch nicht ihr Schade sein. Sie und ihr Mann könnten die ihnen überwiesene Gemeindewohnnng so lange behalten, als sie wollten, und was den „Gehalt" betreffe, so solle ihm derselbe auch in Zukunft unverkürzt ausbezahlt werden, „denn," sagte der Vorsteher, „die Gemeinde will vonseinem Unglücke

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