Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 319)
- Language
- German
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299 „Fort da... das Unglück.. fort, die Granatenschnur.. da steht das Unglück.. fort!" Eine neue Ohnmacht schnitt jeden weitern Ausbruch dieser vulkanisch aufgercgtenNatur ab. Als er wieder erwachte, warerruhig und still, er lag da mit geschlossenen Augen und athmete leichter. Der Arzt glaubte die Gefahr für den Augenblick beseitigt und entfernte sich. Sarah folgte ihm händeringend. „Wird er leben bleiben?" fragte sie draußen vor der Thür. Der Arzt zuckte die Schulter. „Es ist ein Unterschied," sagte er mit gedämpftem Tone, „zwischen Leben und Leben, und Manchem wäre besser, er wäre nicht mehr dazu erwacht." Biele Tage waren vergangen, traurige Tage voll namenloser Pein für Sarah und Lea, und der Arzt konnte noch immer nicht mir Bestimmtheit erklären, daß der Todcsengel von Wolf Ungar's Bette gewichen sei. Was Sarah am meisten erschreckte, war, daß Wolf während der ganzen Krankheit auch nicht einen Augenblick hatte, wo seiner Seele das volle Bewußtsein zurückkehrte. Meist lag er theilnahmslos da und schien Niemanden aus seiner Umgebung zu erkennen, tagelang kam kein Wort über seine Lippen, und wenn er sie öffnete, wurden Laute vernehmbar, die der menschlichen Sprache nicht anzugehören schienen. Nur mit vieler Mühe vermochte Sarah aus diesen wirren und abgebrochenen Tönen einen Zusammenhang zu finden; es waren die nämlichen Worte, die sie am Tage des Unglücks vernommen hatte: „Das ist das Unglück der Babe... die Granatenschnur .. . fort, fort mit dem Unglück... Es ist gegen die Natur!..." Aus diesem abgerissenen und sich doch wieder ergänzenden Gedanken erkannte Sarah nur zu leicht, aus welchem Feuerstrome die beständige Fieberhitze des Kranken ihre Nahrung zog. Sie litt unsagbar, und es gab Augenblicke, wo sie in der Nacht, die sich nm