Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 298)
- Language
- German
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278 Wesen dem Besuche bei der Babe zuschrieb. Sie hieß Christian aus der Stube gehen, sie mußte mit ihrem Manne allein sein. „Erst mach' die Hawdala," sagte sie so ruhig, als sei nichts vorgegangen, „dann wollen wir mit einander reden." Wolf ergriff das Wachslichtlein und schüttete Wein in den bereitstehenden Becher, aber seine Hände zitterten, und während er die Segensformeln sprach, schwankte das Glas so sehr, daß der Wein überfloß. Am Schluffe des Gebetes goß er den Becher auf die Tischdecke und verlöschte in der rothen Flut das angezündcte Wachslicht. „Gut Wochen! gut Jahr!" stimmte Sarah den üblichen Wunsch an. Aber Wolf Ungar rief mit mächtigem Ungestüm, sich selbst überschreiend: „Wünsche mir nichts und wünsche Dir nichts! Es kann so nichts Gutes daraus entstehen. Wie soll eine gute Woch' und ein gutes Jahr für mich werden, wenn HonLa Schusters Sohn mir das heilige Hawdalalicht reicht? Einer hätte nicht geboren werden sollen, entweder er oder ich!" Sarah sah ihren Mann mit bekümmerten Augen an, aber sie entwaffnete ihn nicht. „Weißt Du, was ich gerade jetzt zum Sabbatausgange gesagt habe?" ries er wieder. „Euch Weibern muß man ja mit der Schrift in der Hand kommen, sonst glaubt ihr dem Manne ja nicht. Da sieh' her," schrie er, indem er das Gebetbuch, das auf dem Tische lag, ergriff und mit hastiger Hand darin blätterte, „da sich her, ich will es Dir Wort für Wort übersetzen." Und die Worte lauteten: „Gelobt seist Du, Gott unser Gott, Herr der Welt, der da scheidet zwischen Heiligem und Gemeinem, zwischen Licht und Fin-