Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 297)
- Language
- German
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Gestchtszügen. Beim Essen saß er wortkarg, den Blick in einem fort nach den Augen seiner Frau gerichtet. Dachte er an die düstere Vorhersage Breindel's? Zum ersten Male, seitdem Christian unter seinem Dache war, fühlte er es centnerschwer in seinem Gewissen, daß er HonLa Schusters Knaben an seinem Sabbattische verköPgen mußte. Aber so groß war die Scheu vor dem einmal gegebenen Worte in der Brust dieses Mannes, daß er auch nicht mit der leisesten Bewegung die bösen Geister, ahnen ließ, die in ihm tobten. Es war am späten Abend, der Sabbat war zu Ende gegangen. Wolf kam nach beendigtem Abendgebete aus der Synagoge nach Hause und wollte „Hawdala" machen, wie das Gebet heißt, das jeder Hausvater am Schlüsse des heiligen Tages verrichtet. Er bedarf dazu eines Wachslichtes, denn „bei den Juden war Licht, Freude und Fröhlichkeit", eines Bechers Wein, denn „Gott ist der Kelch des Heiles", und eines Gewürzbüchsleins, „weil der Sabbat köstlicher als die würzreichsten Pflanzen duftet," und über diese Gegenstände spricht er die vorgeschriebenen Segensformeln. Sonst beeilte sich Lea ihm das Licht und das Gewürzbüchslein zu bringen; weil sie aber aus der Stube gegangen war, öffnete Christian die Tischlade, worin sich diese Dinge befanden, und stellte sie vor Wolf hin. Erst starrte Wolf den Knaben an, dann versetzte er ihm mit seiner Faust einen so wuchtigen Schlag, daß er taumelnd in die Stube flog. „Wolf, um Gottes willen, was hast Du?" rief Sarah, die herbeiflog, um das Kind vor weiteren Angriffen zu schützen. „Bon ihm, von ihm," schrie Wolf mit höchster Leidenschaft, „soll ich die Hawdala in die Hand nehmen? Das soll in meinem Hause Vorgehen!" Mit schnellem Blicke erkannte Sarah die Gemüthslage ihres Mannes; sie hatte sich also nicht getäuscht, als sie sein verstörtes