Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 287)
- Language
- German
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267 Muffe gelangen konnte. Sollte sie sich dem Schlummer hingeben, während sie noch nicht wußte — wie sie sich zu Christians Beten verhalten solle? Endlich sagte sie zu sich selbst, und nur jener höchste Geist selbst, der eine seiner schwersten Heimsuchungen über diese Frau gebracht hatte, mochte das Licht gewahren, das in Sarahs Seele sich verbreitete, als sie zu Ende über das Kind des Schusters HonLa in sich gleichsam das letzte Wort sprach: „Ich Hab' das Kind von Gott übernommen, weil er mir das meine erhalten hat. Hat Gott es geduldet, daß ich die Mutter dieses Knaben vorstellen darf, was können dann die Menschen dagegen haben? Und dann! habe ich denn nicht gewußt, was ich mit HonLa Schusters Kind übernommen habe? Darf ich mir also mit Gott im siebenten Himmel einen Spaß erlauben, und von mir selbst sagen: „Verzeih mir, Vater und König, ich habe nicht gewußt, daß Christian anders zu Dir betet, als meine kleine Lea?" Möcht' da nicht Gott mit Recht auf mich böse werden und einmal zu mir sagen: „Du willst eine Mutter sein? wozu bist Du denn eine geworden? Wenn Du die Sache so verstehst, dann ist es besser, Du nimmst das Kind und führst es in den Wald hinaus, und gehst fort und lassest es mutterseelallein! Weil Du das aber nicht willst, so mußt Du Christian behalten, wie er ist. Zch bin und bleibe seine Mutter!" Mit diesem Beschlüsse schlief Sarah ein, mit ihm wachte sie wieder auf. Noch war keine vollständige Klarheit in ihr Gemüth gekommen; nur das Eine stand in Umrissen vor ihr, daß sie das fremde Kind nicht so wild in die Welt hineinwachsen lassen dürfe. Erst allmälig gewann der Plan, was sie nun mit Christian anzusangen habe, Gestalt und Form. Das Kind, so dämmerte es in ihr wie der junge Tag, wenn er nach überwundenem Zwielicht über die Berge klimmt, das Kind solle beten lernen, solle der Religion seiner Eltern erhalten bleiben, dabei aber in den Frieden ihres Hauses