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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 268

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 268 (sequence 288)
Language
German
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268 nicht eingreifen dürfen. Wenn Lea ihr „S'chmah Israel" hersagte, sollte Christian ungestört in seiner Religion beten und Keiner sollte ihm dabei in den Weg treten, und dagegen mußte Christian auch hie Gebräuche ihres Hauses achten, und mußte sich fügen! Warum sollte sich das Alles nicht bewerkstelligen lassen? Schon am nächsten Morgen begab sich Sarah zu der alten Bosena, der Binderswitwe, die einmal ihre Amme gewesen, und noch jetzt jeden Freitag und Sabbat zu ihr kam, um die Lichter zu putzen und zur Winterszeit den Ofen zu heizen. „BoLena," sagte sie zu ihr, „Du mußt mir einen großen Gefallen erweisen." „Was Du willst, mein liebes Kind?" betheuerte die Binderswitwe. „Du weißt, ich habe des SchustersHonLa Kind bei mir," sagte Sarah mit einigem Stocken, indem sie ihre Blicke in der Stube umherschweifen ließ, „und... da hängt bei Dir ein Heiligenbild. Wenn nun das Kind einmal zu Dir kommt und Du fragst es: was stellt das Bild da an meiner Wand vor? so wird es Dir keine Antwort geben können. Bei mir kann der Knabe das nicht lernen; ich weiß damit nicht umzugehen, und das Kind weiß es noch weniger. Und wie soll ich das verantworten, daß Christian am Abend und Morgen nicht einmal weiß, wie er sich... mit Gott verhalten soll?" „Und was soll ich da thun?" fragte die alte BoLena. „Lern' Du mit ihm das Beten," sagte Sarah, der eine letzte flüchtige Blässe wie eine Erinnerung an den schwerüberstandenen Kampf der letzten Nacht in das Gesicht stieg, „für alles Ucbrige laß mich sorgen." „Den Gefallen kann ich Dir thun," sagte BoLena, „schick' das Kind nur zu mir, ich Hab' Gebete im Kopse, daß man von hier aus bis zur Mutter Gottes auf dem PrLbramer Berge wallfahrten kann. Eines oder zwei werde ich ihm schon beibringen."

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