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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 250

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 250 (sequence 270)
Language
German
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250 kleinsten Finger aufgehoben, wäre er genöthigr gewesen — es zu beschwören! Zu diesem Kalmann Würzburg drängte es die Frau des Gemeindedieners. Gefragt, warum es sie gerade zu diesem Manne zog, hätte Sarah wahrscheinlich nicht antworten können. Sie ging zu ihm, weil sie noch eine andere Stimme als die ihrer Großmutter vernehmen wollte. „Kommst um Geld?" schnarrte Klein-Mendelsohn, indem er sein riesiges Haupt, das ein Sammetkäppchen bedeckte, aus dem vor ihm aufgeschlagenen Folianten verdrießlich hervorhob. Um Geld! Sarah erschrak bis in's Innerste ihrer Seele. Sollte Kalmann Würzburg von der sechsreihigen Granatenschnur ihrer Großmutter etwas wissen? Die Blässe, die ihr Antlitz bedeckte, bestärkte Klein-Mendelsohn noch mehr in der Voraussetzung, daß Sarah um ein Darlehen gekommen war. „Hat dein Mann sich auf Hasen verlegt?" schnarrte er nochmals, indem er die Tischlade aufzog, in deren Innerem Silber- und Kupfergeld zu sehen war. „Wieviel soll's sein?" Mit einer Herzhaftigkeit, die Niemand diesem armen Weibe zugetraut hatte, fiel Sarah, während er in die Hand bereits einige Silberstücke genommen hatte, ihm in den Arm. „Ich komm nicht um Geld, Herr Kalmann," sagte sie, mühsam nach Athem haschend, „ich komm um etwas Anderes." „Dein Mann verlegt sich also nicht auf Hasen? Zst's vielleicht ein kupferner Kessel?" fragte Klein-Mendelsohn spöttisch. Da begann es vor Sarah's Augen zu flimmern; was an zurückgedämmtem Wehe in ihr lag, suchte nach einem gewaltsamen Durchbruch. „Herr Kalmann!" rief sie unter hervorstürzenden Thränen; „ich komme um einen Rath zu Ihnen und Sie beleidigen mich dafür!"

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