Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 248)
- Language
- German
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22 s wird, auch zur Liebe für's Vaterland, zum Gehorsam gegen das Gesetz, zur Anhänglichkeit an die Dynastie erzogen werden, und daß allgemach das Gefühl der Fremdheit zwischen Juden und Christen dadurch verscheucht werde. Die Regierung sah aber auch endlich ein, daß die abtrünnigen Juden ganz religionslos werden und gar keine Bürgschaft der Moralität bieten, daß aber durch die verwilderten Formen viele Juden zum Abfall sich Hinneigen und daher einem gefährlichen Atheismus preisgegeben werden. Es konnte daher der Regierung nur willkommen sein, daß durch die Wiener Cultusordnung viele sich wieder mit den religiösen Ideen befreundeten, und durch diese zur Tugend und Sittlichkeit angeleitet werden. Alle diese Motive bestimmte» die Behörden, die Wiener Synagoge in Schutz zu nehmen, die Denunciarionen zurückzuweisen, und der Anhang des geordneten Cultus wuchs von Tag zu Tage, so daß gegenwärtig in Böhmen, Polen, Ungarn, ja sogar in Nikolsburg, dem Ursitze der Pietät für Traditionen, Bethäuser nach Wiener Principien eingerichtet erstanden, und gegenwärtig sogar in Krakau und in Preßburg selber sich einzelne Parteien für diese Institution verwenden. Bei allem dem fiel Niemanden ein, Gewiffenszwang zu üben, und wo irgend ein Lheil der Gemeinde noch an dem alten Geschmacke Wohlgefallen hat, mag er auf eigene Kosten sich damit gütlich thun. Nun kam das Jahr 1848, ihm folgten die bekannten Nachwehen, die im ersten Capitel geschilderten politischen Kämpfe. Die Preßburger Parthei erhob wieder ihr Haupt und ihren Bemühungen ward ein williges Ohr verliehen. Durch Zuzüge aus den Provinzen verstärkt, durch ein gnädiges Zulächeln ermuthigt, begann sie die bereits ehrwürdig gewordene Usanz zu befehden und abermals nicht mit Waffen der Wissenschaft. Zuerst maßten sie sich den Namen der Orthodoxie und der Altgläubigkeit an, und nannten die Wiener Ordnung Reform, Ketzerei und logen der Theologie frech in's An-