Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 240)
- Language
- German
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220 betrachten, als eigene Secte zu behandeln sind, darüber sind die; Acten noch nicht spruchreif. , Ganz anders verfuhren die österreichischen Juden, unter ( denen die Wiener Gemeinde die Initiative zur Hebung des Synaj gogencultus ergriff. Im Gegensätze zu den Reformern muß <- man die Wiener Cultusbestrebungen die restituirenden, die rex staurirenden nennen, da sie ihr Heil in der Rückkehr zum traj ditionellen und altgläubigen Judenthume suchten, und in Geltend- } machung der alten, historischen Principien das Mittel zur Bej kämpfung der Mißbräuche erkannten. Die Wiener Juden betonten , nämlich die uralten Pflichtgebete und hoben sie gegen jene Zusätze, j die man Pijutim nennt, scharf hervor. Sie machten ferner das gute alte Recht der Gemeinden geltend, aus jenen spätem Zusätzen eine j Auswahl zu treffen. Nach welchen Principien dies geschah, und ob ( wissenschaftliche Gesichtspuncte hierbei eingehalten wurden, braucht i nicht in Betracht gezogen zu werden. Genug! die Gemeinde hatte ( nach jüdischem Usus und nach dem Religionscodex ihr Recht dazu, wie sie vollkommen competent war, sich Statuten (Thekanose) und eine j Shnagogenordnung zu schaffen. Diese letztere bezog sich daraus, die Licitirung der Functionen abzustellen, Anstandsregeln für die Fre- - quentanten derSynagogefestzusetzen, das Lärmen, Schreien, Rennen , und jede Störung der Andacht zu verbieten. Man restaurirte ferner { die Kanzel, führte wie in alten Zeiten allgemein verständliche gottesdienstliche Vorträge wieder ein, um den Frauen, der Jugend und dem [ gebildetem, wenn auch nicht theologischen Publicum die Lehren der c Religion zuzuführen und sie damit zu befreunden. Der Gesang endlich wurde der Willkür der Borbetenden entzogen, würdige , Melodien wurden componirt, in Roten gebracht und zur Regel erj Hoben. An die Stelle jener fahrenden Sänger, die sich ehemals der ( Vorbetör von allen Straßen aufgelesen und zu seinem Accompagncment verwendet hatte, wurde ein ständiger Knabenchor organisirt, (