Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 233)
- Language
- German
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213 nannte sie mit Rücksicht auf ihre ursprüngliche Bestimmung — „die Schule." — Zweck der Synagoge ist, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit der Gemeindemitglieder wach zu erhalten, vornehmlich aber durch gottesdienstliche Vorträge Belehrung zu verbreiten. Zn den uralten Zeiten war nämlich der Mittelpunct des religiösen Lebens im engern Sinne des Wortes einzig und allein der Opfertempel zu Jerusalem mit seinen Altären, Priestern und Leviten, der das Allerheiligste in sich barg, und von dem alle Weihe und Sühne ausging. Auf ihn beschränkte sich alle supernaturalistische Heiligkeit, wofür aber selbst dem großpriesterlichen Ornate und selbst dem Stirnbleche des obersten Ahroniden eine sündenvergebende und absvlvirende Kraft zugeschrieben wurde. Dennoch war man schon zur Zeit des Tempels und neben demselben Synagogen zu errichten bemüht, wo die Gemeinde sich an der Agende betheiligen und zur bewußten Thätigkeit und Gemeinschaft angehalten werden konnte. Denn gerade jener übernatürlichen Heiligkeit gegenüber, wo göttliche Gnade allein waltete, der Mensch aber in Demuth empfangend, sich jedes Eingreifens zu enthalten hatte, war ein Institut nothwendig, das umgekehrt als rein menschliches Werk sich kundgibt, auf keine übernatürliche Weise Anspruch macht, dafür aber eine freie Bewegung zuläßt, jeden Unterschied zwischen Priestern und Laien aushebt, und den Menschen anleitet, in eigenem Streben und in Kraft seiner Selbstthätigkeit nach Heiligung und Erhebung mit klarem Bewußtsein zu ringen. Die Synagoge sollte also ursprünglich keine Symbole haben, die erst der Deutung bedürfen, keine Ceremomen, die einen mystischen Hintergrund, keine Formen, die einen verborgenen Sinn haben, keine beengenden Normen, die die freie Bereinigung hindern, keine Äemter, die aus bestimmte Personen beschränkt sind. Alle Einrichtungen sollen klar, durchsichtig sein, und aus dem Willen der