Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 226)
- Language
- German
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206 zeichnen. Wir lassen daher dem politischen Geschichtsbilde zum Nutzen der Juden entworfen, einen Abschnitt aus jüdischer Theologie und Religionsgeschichte zur Verständigung für Behörden folgen. in. Die Synagoge in Oesterreich. Als der christliche Kirchenlehrer Johann von Damaskus um’8 Jahr 700 zur Zeit der Bilderstürmer unter Leo III. dem Jsaurier zuerst den Begriff einer Orthodoxie und einer orthodoxen Kirche gesunden halte, mochte er kaum ahnen, daß man dereinst auch von einer orthodoxen Synagoge und orthodoxen jüdischen Gebetbüchern sprechen werde. In der Thal waren die sogenannten Stockjuden anfänglich nicht wenig verblüfft, als man sie mit dem Namen der Orthodoxenbezeichnete. Einige, die das Fremdwort nie gehört hatten, meinten nichts Anderes, als es sei irgend ein Schimpfname, den ihnen die „Neuerungssüchkigen" aufgebracht. Aber auch diejenigen, welche wußten, was es mit der orthodoxen Kirche innerhalb der Christenheit für ein Bewandtniß habe, schüttelten das Haupt und wußten nicht, was sie mit diesem Begriffe auf jüdischem Gebiete anfangen sollten. Eine orthodoxe Synagoge hat aber wirklich so wenig Sinn als eine jüdische Messe, oder eine sakramentale Rabbinerweihe. Doch \ darüber müssen wir uns deutlicher erklären: Es gibt ein großes, weites Reich von Gedanken, Weltanschauungen, Ideen, Gesinnungen und Empfindungen, kurz ein ganzes, geistiges Menschthum, das aus rein äußerlichen, auf seine eigenthümliche Darstellungsweise sich beziehenden Gründen — das Judenthum genannt wird. Dieser zufällige Name, dessen Ursprung E jedermann kennt, war der Erhaltung jenes Ideenreiches ebenso förderlich, als er der Verbreitung und Anerkennung seines Inhaltes nur hinderlich gewesen ist. Denn seit Jahrtausenden war man unter allerlei Vorwänden bemüht, diesem Namen alle Sympathien zu