Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 217)
- Language
- German
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197 II. Die letzte Zudensteuer. Die Steuer, die man auf's Brett hinzählen kann, ist nicht die einzige, die der Staatsbürger heutzutage entrichtet, und derjenige Zoll nicht derdrückendste, den man laut Tarifs an der Mauthschranke einzuheben vermag. Es gibt vielmehr für den denkenden und fühlenden Bürger eine Betheiligung an dem geistigen Ringen und Streben der Gesellschaft, eine unwillkürliche Selbstbesteuerung an Urtheilen, Gesinnungen, Gemüthsausregungcn, die in keinem Budget zum Ausdrucke, in keinem Finanzausschüsse zur Berathung kommen. Fehlt ihnen doch die arithmetische Darstellbarkeit, jene trockene und daher gewaltigste Beredsamkeit der Ziffer, die allein noch einen Eindruck zu machen im Stande ist, seit dem das Wort und die Phrase so vielfach abgenützt und mißbraucht worden sind. Wer will auch die Opfer berechnen, welche de angeregten Geister in bewegten Zeiten dem Patriotismus bringen, wie diesen jeder von seinem Standpunkte auffaßt? Wer will die Kräfte wiegen, die im Parteikampfe dissentirender Meinungen versprühen? Wer will die Tribute bemessen, welche das hochgradige Fieber politischer Empfindlichkeit, nationaler Gereiztheit, nagender Eifersucht von allen Seiten' an Gesundheit, geistiger Ruhe und innerem Seelenfrieden erheischt und eintreibt? Sind das nicht Abgaben von dem edelsten und besten Gute, das der Mensch besitzt? Und werden sie nicht häufig zu Fleisch- und Blutfrohnen, zur Verzehrungssteuer, nicht, wie man in der Finanzwelt dies Wort versteht, wohl aber zur verzehrenden und zerfressenden Steuer? Darin bestand aber auch die Judensteuer vom jüngsten Datum, die das vormalige Regime als ganz besondern Leib- und Lebenszoll, ohne ihn inklaren Edicten auszuschreiben, und durch eigene Häscher und Revisoren einzufordern, für die israelitischen Bürger