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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 147

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 147 (sequence 167)
Language
German
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147 hingestreckt, viel kränker denn gestern. Der Tod saß ihm zu Haupte», das Gesicht war aschfarben, die Augen hohl, der Blick stier. Er verschmähte den Arzt, er konnte kaum eine Nahrung nehmen. Zm Zimmer lag ein Sterbender. „Schalem Aleicham!" redet ihn der alte Mann an, dem die Blindheit einen schmerzlichen Anblick ersparte. Es bedurfte Seitens des Kranken einer ziemlichen Anstrengung, um die dargereichte Hand zu fassen, dann zog er sie an seine Lippen; sie waren kalt und trocken. „Sie sind krank," sagte der Alte gerührt, „und wollen keinen Arzt annehmen, vielleicht macht ihn der Himmel zu seinem Boten — wie alt sind Sie?" „Vierunddreißig." „So jung noch und keine Liebe zum Leben schon! Sehen Sie, junger Mann, Gott wird Ihnen helfen, der Mensch darf nie seine Hoffnung auslöschen, so lange noch ein Tropfen Blut in ihm rollt. Haben Sie Weib und Kind daheim?" „Ich habe kein Kind und — auch kein Weib. Ich stehe ganz, ganz allein. Zch werde unbeweint hinübergehen. An meinem Grabe wird nicht gebetet, für meine Seele wird kein Kadisch gesagt, es folgt kein Mensch dem fremden Manne auf seinem letzten Gange." Und in die tiefen Augenhöhlen des Leidenden steigen Thränen, wohl die letzten Zähren, die er auf Erden weint. Die beiden Männer stehen erschüttert, die junge Frau weint. „O, redet nicht so gotteslästerlich!" ruft sie, „es heißt Gott versuchen, wenn man an seiner Güte und Allmacht zweifelt." „Ich wollte, ich dürste auf die Gnade des Himmels im Himmel hoffen, mir wäre das Grab weniger schwarz. Das diesseitige Leben schließt hinter mir seine Thore — eine schauerliche Ewigkeit öffnet sich — o mich schauert's mit Grabesschauer! Dort ist es fürchterlich! Beten! Beten!" 10*

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