Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 168)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Eine fürchterliche Angst schien sich des Kranken bemächtigt zu haben, er wälzte sich unruhig hin und her. Das Licht des Lebens war dem Erlöschen nahe. Der Alte winkte seinen Sohn zu sich. „Er ist sehr krank, ich höre es, aber sehen kann ich nicht; wie findest Du ihn?" „Sterbend." „So rufe Leute her, auf daß wir der scheidenden Seele unsere Gebete nachsenden." Samuel ging. Der Alte sank am Bett nieder. „Wie heißt Du, mein Sohn?" frug er den Fremden. „Sender." „Sender! Doch für alle Fälle. . . der Familiennamen?" „Sender Sax," hauchte der Sterbende so leise, daß nur der Alte es hören konnte. „Allmächtiger Gott im Himmel!" schrie der Greis wie vom Schlag niedergeworfen und legte dieHände auf die lichtlosenAugen, als fürchtete er, sie könnten doch sehen, was er nicht sehen wollte. Inzwischen füllte sich die Stube mit fremden bärtigen Gestalten, die Samuel herbeigerufen, der entfliehenden Seele ihre Gebete nachzusenden. Am untern Ende des Bettes weinte die junge Frau ohne Ahnung, daß sie am Sterbebett ihres verlorenen Bruders stehe. Die Männer umstanden im Halbkreis das Lager. DaS sich immer mehr verglasende Auge des Sterbenden hing an ihnen. Noch röchelte die Brust, noch pochte darin das Leben seine letzten schwachen Pulsschläge, bevor es auszieht. „Er lebt noch," sagte Riwtz leise zu den Leuten, „tretet auf die Seite, damit er keine Gewißheit seines nahen Endes habe." Die Männer wichen zur Thüre; am Bette blieben blos der Greis und seine beiden Kinder. „Wer steht am Bette?" fragte der blinde Mann.