Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 162)
- Language
- German
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142 T Da flimmern an der Decke, an den Wänden, an den Säulen, auf den Tischen und Betpulten tausende Kerzen und Lampen, daß die weite Wölbung des Saales zu glühen scheint; da stehen lange gen Osten gewendete Reihen betender Männer in ihren weißen weiten Leichenhemden, die sie an den Tod mahnen sollen, während man durch halbbedeckte Gitter in die den Frauen reservirten Räume blickt, aus denen die Laute eines schmerzvollen Jammers herüberschallen. Angst, Zerknirschung und Reue haben ihre bleiche Farbe über die Gesichter gelegt und Thränen in die Augen Aller gepreßt. Schwer und dumpf Hallen mitten in die lauten Gebete die von geballten Fäusten auf die sündigen Herzen geführten Schläge der armen Büßer. Wie die Brandung des an seine Ufer gewälzten Meeres tönt es in diesen Räumen, gewaltig schlagen die tausendfältigen Stimmen an die Decke — da kracht ein Schlag vom „Almemor" und im Momente sind alle die rollenden Stimmen zum Schweigen gebracht und nur einzelne unterdrückte Schreie stören die befohlene Ruhe, aus der nun die gewaltige Stimme des Borbeters wie ein Donner aus dem Schweigen der Nacht steigt, und am Gnadenthron Jehova's rüttelnd Vergebung für sich, seine Gemeinde und für Israel fleht. Und wieder fällt die Menge wie ein einherbrausender Wildbach ein, wieder steigen ineinandertönende Stimmen empor und wieder regnen gewaltige Schläge auf die Herzen der angsterfüllten Sünder über die droben,; hinter der blauen, sternbesäeten Decke Gericht gehalten und deren ‘ Schicksal verzeichnet wird „in das Buch des Lebens oder in das schwarze Buch des Todes." [; Kalt schauert's durch Alexanders Adern, es wirbelt ihm im u Kopfe. Diese heißflehende Menge der weißen, wie dem Grabe entt stiegenen Gestalten vom rothen Lichte zahlloser Kerzen übergvssen, j die Erinnerung an vergangene Tage und begangene Fehler an j die trauenden Eltern, denen er zur Schmach und zum Schmerz I 1