Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Brust und seineAugen füllten sich mit Thränen. Es ist eine schwere, schwarze Erinnerung, die jetzt an ihm vorüberzieht, es ist eine trostlose finstere Zukunft, die an ihn jetzt herantritt. Die Frau kam zurück. „Ich habe Ihr Zimmer bereits in Ordnung gebracht," sagte sie, „wenn Sie müde sind, können Sie hinaufgehen und sich niederlegen, oder auch hier bleiben, wenn Sie mit uns essen wollen." „Ich kann nichts nehmen und bedarf der Ruhe. Die Reise hat mich sehr, sehr mitgenommen, denn ich komme weit her. Sagen Sie mir, liebe Frau, ist Niemand da, der mich die Stiege hinaufführt? Ihr seht wie krank mich der weite Weg gemacht." „Ich führe Euch selber, wenn Ihr nicht warten wollt, bis der Bruder kommt, er kommt freilich nicht so bald, der Vater ist immer der Letzte im Betyaus und der Bruder muß auf ihn warten, um den blinden Mann zu führen." „Blind! der Vater blind!" „Seit Jahren, seit dem Tode der Mutter." „Großer Gott! der Vater blind, die Mutter tobt!'' „Was ist Euch? Seid Zhr verwandt oder bekannt mit ihnen gewesen?" „Bekannt, blos bekannt; ich habe hier einmal vor Jahren gewohnt, als ich durch den Ort kam; ich war damals noch sehr jung; Sie waren damals noch ein Kind, der Bruder ein Säugling — Samuel heißt er — nicht wahr, Samuel und Sie heißen Riwka?" „Za. Zhr habt das behalten? Ach, meine arme gute Mutter, sie war nicht alt, aber krank, jahrelang krank. Kummer und Krankheit haben sie frühzeitig in's Grab gebracht." Der Fremde saß da, als wäre ihm soeben ein Todesurtheil angekündigt worden.