Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
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134 „Führt mich hinauf, ich bitte Euch/" sagte er, nachdem er einige Augenblicke mit keuchender Brust dasaß und um Athem rang, „ich kann nicht warten, bis der Bruder mit dem Vater kommt." In der obern Stube ist es noch stiller als da unten und dunkler auch. Die Schatten einer hohen Mauer legen sich auf die auf den Hof gehenden Fenster. Zwei trübe, ungeputzte Lichter kämpfen erfolglos gegen die Dunkelheit, und der Reisende, allein geblieben, setzt sich auf das Bett, den Kopf in die Polster vergrabend und sich einem Schmerze hingebend, der den schwachen Körper zucken macht und die letzten Kräfte vernichtet. „Der Vater blind, die Mutter tobt." Wie Gespenster der Nacht stiegen die Bilder vergangener Tage vor ihm auf. Tage, die längst hinunter sind, dämmerten wieder auf. Diese Räume, diesen Hof vor seinen Fenstern, über den jetzt auf klarem Grunde die funkelnden Sterne, diese stillen Gefährten der Nacht, diese schweigenden Zeugen all der Freuden und Schmerzen, die zu ihnen ausjauchzen oder emporwimmern, diese unvergänglichen Beweise für unwandelbare Ordnung und ewige Gesetze, hinwandelten, wie oft hat er sie durchmeffen, als er noch ein Knabe wilder Art gewesen, bäumend und schäumend; als Jener, der jetzt blind, und Jene, die jetzt unter der Erde schläft, ihn noch ein Kind nannten! Wie setzte er damals, allen Ermahnungen und Lehren zum Trotze, in tollem Eigensinn über alle Schranken, die den jüdischen Jüngling umgaben, wie wenig galten ihm die Bitten und Drohungen seiner Eltern, die „Schul" und das „Cheder" gegenüber den Freuden in Wald und Feld! Wie unbändig schlug er aus der Art seiner Cameraden, die vom Leben nichts kannten, als Studien und Gebet und denselben ihre Jugend opferten, während er, dem Kummer seiner Eltern und Lehrer zum Trotz, durch seine kecken Streiche die Straßen unsicher machte und zehnmal seinem Cheder entlief, bevor er eine Stunde unfreiwillig dem Talmud opferte. Am