Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 139)
- Language
- German
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119 eigenhändig dem damaligen sogenannten Lipperl-, jetzt Schweigertheater, zur Aufführung. Der Director, den vierzehnjährigen Jungen betrachtend, sagte in seiner Art zu sprechen: „Geh, Buberl! Du kannst noch kein Stück schreiben, mmm's wieder mit, 's geht mir ja kein Mensch in die Komödie, wenn i's gib." — „O ja," antwortete Leopold, „alle meine Schulcameraden gehen hinein, eö find über hundert." „No," sagte der alte Schweiger, „wenn das is, so geb'n wir's halt über acht Tag." Und er hielt Wort. Die ganze Bretterhütte war bei der Darstellung mit Leopolds Schul- und anderen Cameraden angefüllt, alle jubelten dem unfinnigen Schauspiele ihren Beifall zu, welches zwar Talent verrieth, aber ein wahres Chaos von Alterthum und Geistergeschichten, von Stadtereignissen und Localwitzen war. Leopold konnte fich seines damaligen Dichterrufes unter der Schuljugend nur wenige Wochen erfreuen, da er nach geschlossener Unterhandlung mit oben erwähntem Kaufmann nach dem Städtchen Pappenheim zur Erlernung der Handlung geschickt wurde. Wir übergehen hier drei Jahre, während welcher Leopold mit seinem Principale auf Jahrmärkte und Messen herumziehen mußte und in Pappenheim selbst manchen Kamps zu bestehen hatte, da er alle Kleinstädtereien in satyrischen Bildern vorführte und deshalb mit Behörden und Privatpersonen in manchen Conflict gerieth, aus welchen ihn jedoch meistens die Frauen, deren Gunst sich Leopold früh zu erwerben wußte, trotzdem, daß fie selbst in dessen satyrischen Bildern oft hart mitgenommen wurden, wieder heraushalfen. Im Jahre 1820, als Leopold seine Handlungslehrjahre vollendet hatte, kam er, mit den besten Empfehlungen versehen, in eine, damals die erste und großartigste Bijouterie- und Galanteriewaarenhandlung seiner Vaterstadt München. Hier hatte es Leopold größtentheils mit der fashionablen Welt zu thun, und er ward in Kurzem der Liebling derer, die im Geschäfte fich ihm genähert