Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 85)
- Language
- German
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65 zwischen Morgen- und Abendland und muntert die großjährig gewordene Menschheit auf, sich der Stätte zu erinnern, wo einst ihre Wiege gestanden, aber §. begnügte sich damit allein nicht, denn er gehörte nicht zu jener nie aussterbenden Classe von Menschen, die Leben und Lehre, Theorie und Praxis von einander sondern. Da er einmal den reichen Inhalt der Bibel, die Großartigkeit der jüdischen Propheten und Lehrer erkannt hatte, so konnte er auch dem Volke seine Bewunderung nicht versagen, in dessen Mitte sich solche Erscheinungen zum Lichte der Geschichte heraufgearbeitet hatten, lind bedarf dies überhaupt einer näheren Begründung bei einem Manne wie H., dessen Glaübensbekenntniß in dem einzigen, allumfassenden Worte: „Humanität" ausgesprochen ist? H. war so recht eigentlich der Apostel der Humanität. Man lese seine Ideen zur Geschichte der Menschheit, seine Adrastea, seine Briefe zur Beförderung der Humanität, seine Stimmen der Völker in Liedern, überall wird ausgesprochen oder im Hintergründe die Tendenz entgegenleuchten, das Scheidende und Zerkiüftende wegzuräumen, das allgemein Währe und Nützliche aus dem Besonderen herauszulesen und zur Beglückung der Menschheit zu verwerthen. Alles, was diesem einigenden Streben sich widersetzt, mag es sich kirchliche, politische Intoleranz oder wie immer nennen, ist H.'s edler, weltumfassender Seele verhaßt. Die Zukunft, die H. am Schlüsse seiner Adrastea in dichterischer Verehrung erschaut: „Was Recht und Wahrheit jedem Herzen pries. — Was Treu und Liebe Jeden hoffen ließ — Ist wahr, die Erde ist ein Paradies." Die Zukunft zu verwirklichen, ist ihm das Ziel der Menschheit und das Mittel dazu —: Humanität. Ein so gearteter Geist war ganz dazu angethan, für das Recht unterdrückter Meinungen, geknechteter Körperschaften einem vorurtheilsvollen Jahrhundert gegenüber in die Schranken zu treten, denn sein tiefes, sittliches Gefühl stellte es ihm als unmittelbares Gebot hin, jede freie Meinungsäußerung zu achten Lahrl,. s. Jsr. 1863, 5