Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-2609298--5044-2612394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 berauschtenZeilgenossen entgegen — wagen wir in Ansehung der erhabenen reinen Moral und des umfassenden Nationalgeistes neben einen Jesaias zu stellen? Und welch ein König der Aeghpter, Scyther und Indier hatwieDavid gesungen und gelehrt?" Für jedes einzelne der biblischen Bücher hatH. Worte des Lobes und der Bewunderung. Im ruhigen See der Psalmen sieht man nach seiner Ueberzeugung jede kleine Welle der Empfindung sich kreisen, wie der Himmel sich nur im hellen Meere malt (IX.); in die Sittensprüche Salomo's, die von den Tugenden und Reizen der Weiber handeln, find alle Zier der Unschuld, der Anmuth, der Verträglichkeit und des Fleißes wie in einen Blumenkranz geflochten. Die Scenen im Garten derLiebe des hohen Liedes sind zart und feingefühlt, von dem Platonismus der Liebe, wie von der Klosterheiligkeit der Ehe entfernt. Die süßesten Reize blühen da wie Blumen, die zartesten Früchte werden mit einer Unschuld der Bruder- und Schwesterliebe gekostet (V). Man sammle sich, sagt H., was über das Berhältniß der Kinder zu ihren Eltern, sowie von häuslicher und Familienglückseligkeit in den Sprichwörtern, Psalmen und Propheten gesagt ist, und man wird einen Ausbund der frohesten süßesten Moral finden. Die Sittenpoesie der Perser ist fein, der Araber scharfsinnig, der Ebräer einfältig und kindlich, die zarte Speise fürs erste Alter der Menschheit (ib.). Und zumal das Buch Hiob nimmt H. nur mit Ehrfurcht in die Hand. Ueber Länder und Zeiten, über die Ruinen großer Revolutionen des Geschmackes hinweg tönt ihm der Znhalt entgegen; es sind ihm Perlen aus der Tiefe des Meeres, leicht gereiht aber köstlich, Schätze der Wissenschaft und Weisheit in Sprüchen ältester Zeit, die Epopee der Menschheit, die Theodicee Gottes. So vergräbt sich H. mit Fleiß und Liebe in die Tiefen der Bibel und münzt die dort angeführten Weisheitsschätze in die gangbaren Gedanken seiner Zeit aus; er macht den Vermittler