Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 83)
- Language
- German
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63 seiner Ansicht — und es ist die einzig richtige — die Idee, ein freies Volk zu bilden, das Keinem als dem Gesetz unterworfen wäre, und damit Niemand ihnen dieFreiheit nehme, war Gott selbst Gesetzgeber, Gesetzbewahrer, König. Das ganze Volk war ein priesterlich Reich; jeder also dieses Königs und des Gesetzes Diener. Die jüdische Staatsverfassung ist weniger eine Theokratie, als vielmehr eine Nomokratie zu nennen. (Gespr. IV.) „Ich wollte," ruft H. aus, „daß nach der Stufe unserer Cultur wir Alle das so oft verspottete Gottesregiment haben konnten; denn es ist gerade, was alle Menschen wünschen, worauf alle Weisen gearbeitet haben, und was man allein und so frühe schon auszuführen das Herz hatte, daß das Gesetz herrsche und kein Gesetzgeber, daß eine freie Nation es frei annehme und willig befolge, daß eine unsichtbare, vernünftige, wohlthatige Macht uns lenke und nicht Ketten und Bande. Dies war die Zdee Moses' und ich wüßte nicht, ob es eine reinere, höhere gebe." (Gespr. V.) Den großen, weitausschauenden Blick Moses', seinen klaren, ordnenden Verstand, die Gediegenheit und ideale Reinheit seines ganzen Wesens anerkennt H. ohne jede Einschränkung; die Aussage der Bibel: es stand Hierfort kein Prophet in Israel auf wie Moses, unterschreibt er ihrem ganzen Umfange nach, denn „als Griechenland noch in der tiefsten Barbarei lag, wagte er's, einen Freistaat zu gründen, dessen Oberherr, ein unsichtbares Wesen, nur Opfer der Liebe, des Dankes und der Reinigkeit verlangt und seine Befehle durch Licht und Recht spricht... Die stärksten der übrigen Propheten wirkten nur durch den Finger seines Armes, die aufgeklärtesten glänzten nur im Wiederscheine seines Antlitzes mit desselben zurückgeworfenen Strahlen". (Gesp.XII.) Doch auch den übrigen Trägern des Gotteswortes, den Propheten, Sängern und Königen des Zudenthumes läßt Herder noch Gerechtigkeit wiederfahren, „welchen Dichter Griechenlands oder Roms" — hält er seinen von der Schönheit heidnisch-claffischer Poesie