Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 79)
- Language
- German
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59 theile in Religion, Philosophie, Dichtung und Kunst zu vernichten, als jene Geistesheroen außerhalb des Judenthumes sich den Männern anschlvssen, die innerhalb des Judenthumes sittigend und veredelnd wirkten. Soll ich von Lessing, Dohm, Mendelssohn und den Anderen reden? Man weiß es, daß Lessing so zu sagen im Beginne seiner literarischen Thätigkeit, lange bevor es Mendelssohn kannte, das bekannte Lustspiel: „Die Juden" schrieb; man weiß es aber auch, daß er seine schaffende dichterische Thätigkeit mit „Nathan dem Weisen" schloß, den Lessing selbst das Kind seines Alters, sein Testament nennt, den Gervinus als das eigenthümlichste und deutscheste Werk neben „Faust" hinstellt, und von dem Lessiug's neuester Biograph aussagt, es sei ein Kunstwerk, „das wie die Glocke des Dichters sein feierlich erhebendes Friedensgeläute hoch oben herab aus dem reinen Aether der Liebe und Versöhnung der Menschen durch die Welt ertönen lassen wird, so lange Menschenzungen die Sprache reden, in welcher es gedichtet ward." (Stahr, 2. Ausgabe II, 31t.) Wenn ich von diesen Männern reden wollte, so müßte ich eben nur Bekanntes wiederholen; nicht überflüssig aber, ja geradezu nothwendig erscheint es mir, den Leser in die ersten Züge eines Mannes blicken zu lassen, der zu den Sternen erster Größe am deutschen Literaturhimmel gehört, der sich nicht geringe Verdienste um die Menschheit und das Judenthum als die Borhergenannten erworben hat, dessen Verdienste aber weniger in's Volksbewußtsein gedrungen sind und uns deshalb die Berpflichtungzu deren besondercnHervorhebung in erhöhtem Maße auferlegen. Ich nenne Johann Gottfried Herder. Aus welchem Grunde Herder's Schriften, auf welche ich nicht blos im Interesse allgemeiner Bildung, sondern auch aus speziellen, später ersichtlichen Gründen die Aufmerksamkeit lenken möchte, sich in der lesenden Welt nicht recht einzubürgern vermochten, ist dem Kenner dieser Schriften und des Lesepublicums kein Räthsel; schwerer ist es anzugeben, warum