Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 78)
- Language
- German
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58 sei, „haben bisher also mit den Juden gefahren, daß, wer ein guter Christ wäre gewesen, hätte wohl nicht ein Jude werden; denn sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen, haben nichts mehr könnt thun, als sie schelten und ihr Gut nehmen, lind wenn wir gleich hoch uns rühmen, so sind wir dennoch Heiden und die Juden von dem Geblüte Christi, wir sind Schwäger und Fremdlinge, sie find Blutssreundc, Wettern und Brüder Jesu... Aber nun wir sie mit Gewalt treiben und gehen mit Lügentheidungen um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblut haben und weiß nicht, was des Narrenwerkes mehr ist, daß man sie gleich für Hunde hält, was sollten wir Gutes an ihnen schaffen?" Ich sagte ausdrücklich, daß Luther blos in der ersten Aufwallung seines reformatorischen Eifers sich in diesem Sinne aussprach; denn in den späteren Jahren, als er von seinem eigenen Principe abfiel und dagegen zu reagiren anfing, erwachte in ihm die künstlich eingeschläferte Unduldsamkeit mit erneuerter Heftigkeit, und er veröffentlichte eine besondere Schrift „von den Juden und ihren Lügen", in welcher er mit verbissenem Ingrimm gegen die Juden eiferte, sie ein verzweifelt, durchböset, durchgiftet, durchteufelt Ding nannte, ihre Synagogen als Teufelsnester bezeichnete und zur Verbrennung ihrer Schulen und Häuser aufforderte. In der nachlutherischen Zeit werden die Fälle, daß christliche Theologen für die Juden eintraten, und daß man die jüdische Sache zu einer allgemein menschlichen machte, häufiger. Ich erinnere beispielsweise an Spener und den Grafen Zinzendorf. Ein Einfluß die ser Bestrebungen auf die Verbesserung der politischen Lage der Juden ist jedoch nicht bemerkbar. Einen eigentlich weitergreifenden Umschwung in der sogenannten Frage der Judenemancipation brachte erst die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hervor, als jene Männer, die die deutsche Nation mit Stolz die Seinen nennt, sich zu einer heiligen Allianz vereinigten, um die herrschenden Vorur-