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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 49

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 49 (sequence 69)
Language
German
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49 hat Gott diesen Mann für die Juden in den letzten Tagen eingesetzt." *) Die Kunde von der günstigen Lage der Juden im Morgenlande muß auch den Juden Deutschlands zugekommen sein. Denn gerade in dieser Zeit, genau im Jahre 1286, sind viele jüdische Familien aus Mainz, Speier, Worms, Oppenhein und überhaupt aus der Wetterau „übers" Meer ausgewandert und haben ihre Häuser, sowie liegende Gründe rat Stiche gelassen. Von dem Umfang der jüdischen Auswanderung „übers Meer" kann man sich einen Begriff machen, wenn urkundlich angegeben ist, daß in Mainz allein mehr als fünfzig jüdische Häuser verlassen und von dem Bürgerrath als städtisches Eigenthum eingezogen wurden. Die deutschen Juden scheinen die Bevorzugung, welche ihre Brüder im Orient genossen, als den Anbruch der messianischen Gnadenzeit angesehen zu haben. Aber auch die alljährlich sich wiederholenden lügenhaften Anschuldigungen von Christenkindermord und die sie begleitenden blutigen Verfolgungen waren wohl Beweggründe für die Juden, ein sicheres Asyl aufzusuchen. Es ist urkundlich bezeugt, daß der angesehenste Rabbiner Deutschlands, R. Meir b. Baruh aus Rothenburg, Rabbiner von Worms und Mainz, in demselben Jahre mit Familie und enorm großem Gefolge ebenfalls auswanderte, um „übers Meer", d. h. nach dem Morgenlande, zu gehen. Es kann kein Zweifel darüber obwalten, daß er die Hoffnung der deutschen Juden durch den für die morgenländischen Gemeinden so günstigen Umschwung getheilt oder gar die Auswanderung angeregt und gefördert hat. — R. Meir aus Rothenburg galt in dem letztenViertel des dreizehnten Jahrhunderts als die angesehnste rabbinische Autorität in Deutsch- *) Der Fortsetzer der syrischen Chronik des Abulsarach Bar-Hebräus, S. 592. Iahrb. f. Isr. 1863. 4

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