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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 42

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 42 (sequence 62)
Language
German
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42 Böhmen, vom griechischen Reiche nach Deutschland, nicht aus Lust nach Abenteuern, oder aus Sucht nach einem brotspendenden Amte, sondern um sich in der Kenntniß recht zu vervollkommnen. Cantoren mit ihrem kleinen Gefolge von „Baß und Sänger" machten Kunstreisen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Sendboten aus Palästina, welche Spenden für das von jeher verarmte heilige Land sammelten, legten weite Strecken zurück, um die Frömmigkeit und das Mitgefühl ihrer begüterten Brüder in anderen Erdtheilen auszubeuten. Sehnsuchtsvolle Pilger, welche den Staub Zions mit ihren Thränen netzen wollten, unterhielren, wenn dort angekommen, Verbindungen mit ihren Freunden, ihrer Gemeinde. Aus diesen und tausend anderen Wegen erfuhr der geringste Jude in irgend einem Winkel der Erde von dem Mißgeschicke oder Glücke, das seine Brüder aus irgend einem Flecke der Erde traf. Und da der Jude mit einem gesunden Sinn für reale Verhältnisse begabt ist und sich nicht leicht Illusionen hingibt, so konnte er sich im Mittelalter eben so gut wie in der Gegenwart in den Vorgängen zurechtfinden und seine Maßnahmen darnach treffen. Unsere an Eisenbahn gewöhnten Leser mögen daher nicht ungläubig den Kopf schütteln, wenn ich ihnen im Folgenden erzählen werde, daß die Standeserhöhung eines Juden und die günstige Stellung der Juden an den Ufern des Tigris gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts mehrere Gemeinden am Rhein in Bewegung setzte, massenhaft dorthin auszuwandern, wo sie vor täglichen Plackereien oder vor mörderischen Aufläufen gesichert zu sein glaubten. Für die jüdische Welt im Mittelalter war Deutschland nicht so sehr entfernt von Italien; Italien grenzte für sie an Egypten, von Egypten war nur noch ein Sprung nach Palästina und Palästina war der Eingang zu den Ländern des Euphrat und Tigris. Was ich erzählen werde, klingt wie ein Märchen, ist aber

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