Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-2609298--5005-2612355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
25 die Behörde, daß die Wahl einstimmig sei.(Damit im Zusammenhänge dürfte Alinea 21 §. 53 der Orach Chajim stehen. Daselbst heißt es: „Es soll der Vorbeter der Gemeinde (zu jener Zeit war das Amt des Borbeters sehr wichtig, da er für die einzelnen Gemeindemitglieder betete und diese der Pflicht des Gebetes enthob) nicht auf Befehl oder Wunsch des Landesfürsten angestellt werden, selbst wenn die Majorität der Gemeinde mit der Wahl einverstanden ist." Dazu bemerken Lebusche Grad (David Eibenschütz): „Diese Borschrist nimmt darauf Bezug, wenn die Majorität der Gemeinde und der Landcsfürst von der Minorität fordern, sich der Wahl anzuschließen." Es handelt sich also darum Einstimmigkeit zu erzielen und das Recht der Majorität zu schmälern.) Bielleicht mag bezüglich der Rabbiner das Motiv mitgewirkt haben, daß diese die Gerichtsbarkeit zu leiten hatten, und öfters Fälle vorkamen, daß Gemeindemitglieder um die Begünstigung baten, bei den Rabbinern eines anderen Ortes oder bei einem anderen Gerichte Recht zu suchen. Man wollte daher vielleicht dadurch späteren Dissentirungen verbeugen, und ebenso wollte man Steuerreclamationen hintanhalten, da die Ältesten die Steuerumlage bestimmten. Wir theilen ein in dieser Beziehung sehr interessantes Schreiben von Ferdinand I., 21. März 1552 an den Obersten Burggrafen, Hofmeister und Kanzler, Sebastian Margkwart mit (das Originale ist in böhmischer Sprache abgefaßt), welches beweist, daß das Princip der Majorität nicht anerkannt wurde. Dasselbe lautet: Ferdinand! Unser erlauchter, edler, wackerer und beredter, treuer und lieber Fürst! Die Prager Judenschast sagt, sie habe eine Beschwerde gegen den Juden Abraham *), Schwiegersohn des Arztes Moises, daß *) Zunz, synagogale Poesie S. 57 nennt einen Rabbiner. Namens Abraham, vielleicht ist er mit dem hier genannten identisch.