Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 37)
- Language
- German
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17 Aber Leibmtz hat sich nicht aufs Lesen und Loben beschränkt. Er hat ihn auch benützt. Unter den philosophischen Werken Leibnitzens ist die Thevdicee durch die elegante und mehr für den blos gebildeten Leser berechnete Schreibweise das populärste und darum bekannteste. In diesemBuche wiederum ist offenbar das Bedeutendste die Untersuchung über das Uebel in der Welt, d. h. die Frage, wie man Gott den Heiligen und Vollkommenen als Schöpfer des Uebels ansehen könne. Man vergleiche nur den Gang der Untersuchung und die Antworten mit den von Maimonides im dritten Theile des More gegebenen, und es wird sich Herausstellen, daß die eigentlichen Hauptpuncte dieselben sind. Ob gar Leibnitz in dem Originellsten, das er gelehrt, in seiner Monadentheorie, sich von Maimonides' Darstellung der arabischen Religionsphilosophen hat anregen lassen, wie Munk vermuthet, wollen wir nur als möglich hinstellen. Aber sollte man es glauben, der Geist des Maimonides weht uns sogar noch in einigen Schriften desjenigen Mannes entgegen, der als Zertrümmerer aller früheren philosophischen Lehrgebäude austrat, der neu und originell ist, wenn Einer. Wir meinen Immanuel Kant. Wir wollen nicht behaupten, daß Kant den Maimonides gelesen hat, glauben es nicht einmal, obwohl er unter seinen fleißigsten Hörern einen Erklärer des Maimonides, Salomon Maimon, zählte. Aber wir kennen Wege genug, auf denen ihm die Maimonidischen Meinungen zugeflossen sein können. Diese Meinungen hat man nun natürlich nicht in Kant's kritischen Werken zu suchen. Man hat sie zu suchen, wo Kant weniger beflissen ist, Kritik zu üben, als positiv zu lehren. So namentlich in den Vorlesungen über philosophische Religionslehre, die erst nach Kant's Tode herausgekommen. Wenn dort gezeigt wird, wie man zu einem geläuterten und reinen Begriff von Gott auf dem Wege gelangen kann, daß man jede Eigenschaft, die man Gott beilegen will, erst sorgfältig prüft, ob sie nicht eine Unvollkommenheit enthalte, kurz auf dem Wege der Jayrb. f. 2sr. 1863. ft