Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 36)
- Language
- German
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16 den Aristotelismus hinein. Ihm nach folgen Albert der Große und Thomas von Aquin, unstreitig die größten Denker und Gelehrten, welche die katholische Kirche im Mittelalter erzeugt hat. Es gibt lange Folioseiten in Alberts Büchern über dasThema derSchöpsung, wo Maimonidcs nicht genannt ist, die sich aber wie eineUebersetzung des More-Nebuchim lesen. Nicht selten aber auch beruft er sich aus ihn mit Namen. Noch stärker ist Thomas von Aquin den Fußstapfen des Maimonides gefolgt. Auf die Art, wie Maimonides den Gvtlesbcgriff bestimmt, Beruft sich Thomas. Maimonides' Beweise für das Dasein Gottes, die einen Fortschritt gegen die Beweise des Aristoteles bilden, macht Thomas zu den scinigen. Man glaube aber nicht, daß Maimonides' Einfluß auf das Mittelalter sich beschränkt. Der große Leibnitz hat ihn gelesen, Capitel für Capite! ausgezogen und benützt. Daß er ihn gelesen und gelobt hat, wissen wir erst seit einigen Monaten. Der neueste Herausgeber der Werke des Leibnitz, der französische Graf Foucher de Careil, hat in der Bibliothek zu Hannover ein Heft entdeckt, welches die Leibnitzischen Auszüge aus der lateinischen Uebersetzung des More Nebuchim enthält, mit reichlichen Bemerkungen dazu von Leibnitzcns Hand. An der Spitze des Heftes steht Leibnitzens Urtheil über die More in lateinischer Sprache, das übersetzt folgendermaßen lautet: „Vortrefflich finde ich das Buch des R. Moses Maimonides, das den Titel führt: Führer der Verirrten, und von viel größerem philosophischen Gehalt, als ich gedacht hatte, so daß es einer gar aufmerksamen Lectüre würdig ist. Es war das ein in der Philosophie, in den mathematischen Wissenschaften, in der Medicin und endlich in der Kenntniß der heiligen Schrift ausgezeichneter Mann. Zch habe die Buxtorf'sche Uebersetzung gelesen." Ebenso lobt Leibnitz am Schluffe des Heftes die vortreffliche Art, wie Maimonides den Unterschied zwischen Erkennen und Vorstellen zu bestimmen versteht.