Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 38)
- Language
- German
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18 Negation von Unvollkommenheiten, so weiß man, wer das zuerst am klarsten gelehrt hat. Wenn dort ferner scharfsinnig gezeigt wird, wie der göttliche Verstand, das göttliche Denken, nicht etwa blos dem Grade nach von dem menschlichen verschieden gedacht werden müsse, sondern der Art nach, kurz, wenn dort die Rede ist von dem intuitiven Verstände Gottes, d. h. von einem Verstände, der nicht mühsam das Denken aus seinen Theilen zusammensetzt, sondern in einem innigen und ungetheilten Acte das Ganze überschaut, so ist der Urheber dieser scharfsinnigen Unterscheidung Moses Maimonides. Man glaube aber auch nicht an eine zufällige Begegnung zweier denkenden Köpfe. Die dort gebrauchten Ausdrücke reden für den Kundigen unzweideutig und deutlich. Bekannt ist endlich auch, daß Hegel den More Nebuchim gelesen und in seiner Geschichte der Philosophie als ein Buch bezeichnet, in dem echte Metaphysik sei. Zum Schlüsse sei noch in der Kürze ein Mann aus dem 14. Jahrhundert genannt Lewi benGerson (Gersonides), in der christlichen Welt auch unter dem Namen Magister Leon aus Bagnol bekannt. Als Astronom so berühmt, daß seine einschlägige Abhandlung noch bei seinen Lebzeiten für den Papst Clemens VI. in's Lateinische übersetzt wurde, und daß noch Keppler um den Besitz seines Buches sich bemühte, war er nach Maimonides der bedeutendste jüdische Religionsphilosoph des Mittelalters. Auf die christliche Welt haben vorzugsweise Einfluß geübt seine sehr bald in's Lateinische überttagcnen Commentarien zu Aristoteles, oder richttger zum Erklärer des Aristoteles, dem berühmten arabischen Philosophen Averroes. Der neueste Geschichtschreiber der Philosophie des Mittelalters, Prantl, stellt ihn als Logiker über Maimonides. Wir schließen hier unsere Betrachtung, die den Zweck hatte, zu zeigen, daß Zudenthum und Juden zu keiner Zeit bloS müßige Empfänger fremder Cultur waren, sondern daß ihnen die Wissen-