Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 33)
- Language
- German
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13 Sie hat sich, so scheint es, der biblischen Grundlage entschlagen. Denn gerade die Freiheit von jeder Boraussetzung, jedem Vorurtheil, wie man sagt, macht ihren Anfang und ihr wahres Wesen aus. Aber wie, wenn diese Freiheit von jeder Voraussetzung bloßer Schein wäre? Machen wir nur einen Versuch. Der Vater der neueren Philosophie, Cartefius, wird eben darum der Vater und Urheber derselben genannt, weil er diese Unbefangenheit und Freiheit von jeder Voraussetzung als seinen leitenden Grundsatz proclamirte. Er beginnt mit dem Zweifel und zwar mit dem Zweifel an Allem, dem radicalen Zweifel selbst an der Wahrheit dessen, wovon uns die Sinne und unsere sinnliche Wahrnehmung überzeugen. Aber Jeder, der den Verlauf der Cartesianischen Philosophie kennt, weiß, daß es ihm mit seinem Protest gegen alles blos Ueberlieserte nicht so Ernst ist. Er findet auf einmal die Idee Gottes in sich, in seinen Gedanken vor, und zwar in einer Vollkommenheit vor, wie wir sie vergebens bei den heidnischen Philosophen suchen. Er erklär! die Idee Gottes für angeboren. Nun ja, sie war seiner Zeit bereits angeboren. Angeboren waren seiner Zeit überhaupt so viele durch die heilige Schrift verbreitete Anschauungen, daß die Philosophie nicht hinter ihnen Zurückbleiben konnte. Es muß uns genügen, hier am Urheber der neueren Philosophie gezeigt zu haben, daß die biblischen Grundlagen auch der modernen Philosophie nicht fehlen. Der nähere Nachweis, daß diese Grundlagen ihr fernerhin durch alle Wandlungen und Veränderungen der philosophischen Anschauungen verbleiben, kann hier wegen des Aufwandes an Apparat und Zeit, den das kosten würde, nicht gegeben werden. Wir gehen zum zweiten Puncte uuseres Gegenstandes über. Wir haben bis jetzt von dem Einfluß des Zudenthums geredet. Reden wir jetzt von dem Einfluß der Juden, jüdischer Denker auf den philosophischen Besitz der civilifirtenWelt. Von dreiDenkern