Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 32)
- Language
- German
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] 2 den Großen und nach ihm zwischen Griechenthum und Judenthum Berührungen eintraten, verhielt sich zuerst das Judenthum empfangend, lernend und das Griechenthum lehrend, gebend. Ja es schien, als ob das Judenthum etwa wie das Römerthum vor der Macht der griechischen Wissenschaft, griechischen Bildung und Kunst sich nicht würde retten können. Aber auf welcher Seite die größere Macht stand, darüber hat dieGeschichte entschieden. -Bor dem Gotte, welchen die heilige Schrift lehrt, sanken die heidnischen Götter, und wie wir hinzufügen können, auch die heidnische Philosophie. Fortan begann ein Philosophiren auf Grundlage der Bibel. Wie werden wir nun die Eintheilung der Philosophie treffen? Doch offenbar in eine heidnische und in eine biblische, d. h. in eine Philosophie, welche auf Grundlage der alten Göttersagen und der heidnischen Bolksmeinungen philosophirte, und in eine solche, welche, durch die biblischen Vorstellungen geweckt, ganz neue Bahnen ging, ganz neue Fragen aufwarf. So gering man auch von den Fortschritten des Mittelalters denken mag, sein philosophischer Staudpunct war ein höherer als der des Alterthums, wenn auch seine philosophische Kraft eine schwächere war. Fragen, die uns im Alterthum kaum begegnen, weil sie noch nicht in seinem Gesichtskreise lagen, tauchen auf und werden discutirt. Von der heiligenSchrift entzündet, wird über dieSchöpfung, über die Vorsehung, über die Freiheit des menschlichen Willens, über die Ursache des Uebels in der Welt gesprochen. Will man nun noch im besonderen von einer mohammedanischen, christlichen und jüdischen Philosophie reden, so hat man dazu das geschichtliche Recht. Aber sie alle drei umspannt dann die gemeinschaftliche Grundlage, die Lehre, die Gott dem Moses geoffenbart. Und wie steht es mit der neueren Philosophie?