Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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10 bis zur Benützung des Entdeckten ist ein weiter Weg. Erst Platon und Aristoteles haben von dieser Entdeckung den reichlichsten Gebrauch gemacht. Sie stellten den Geist oder das Geistige in der Welt als das eigentlich Herrschende hin, die Materie als das Dienende, oder wie sie in echt künstlerischer Weise der Griechen sagten: „Der Geist ist die formende, gestaltende Macht in der Welt, ist Idee, Gestalt; die Materie das Formempsangende, Ausnehmende, Leidende." Aber woher kommen Geist und Materie in die Welt? Und was ist früher dagewesen, der Geist oder die Materie? Stammt die Materie von dem Geist oder der Geist von der Materie? Aristoteles antwortet: Beides, der Weltgeist und die Weltmaterie, sind ewig und ungeworden. Wer, frage ich, vermißt in dieser Ansicht das Heidenthum? Wohl hat Aristoteles einen Gott und, wie wir hinzufügen können, einen Gott. Denn nicht das wo..en wir gegen ihn geltend machen, daß er auch die Gestirne für selige Götter erklärte, und so der vielgliedrigen Götterfamilic des Heidenthums mit ausdrücklichen Worten Platz macht. Wir wollen uns vielmehr an den tieferen Ginn seiner Ansicht halten, und an seine Anwendung des homerischen Wortes auf Gott und Welt: „Nicht gut ist die Bielherrschaft, Einer sei Herr." Aber regiert der Gott, den Aristoteles lehrt, wirklich die Welt? Nein! denn dieser Gott hat die Welt nicht geschaffen, sondern er ist nur ihr Schönheitsideal, dem sic sich entgegenbcwegt, um von ihm gestaltet zu werden. DieserGott übt keinerlei Handlung aus — Aristoteles spricht ihm ausdrücklich die Praxis, das Handeln, ab — seine Thätigkeit besteht blos darin, daß er sich selbst erkennt und an dieser Selbsterkenntniß seine Freude hat. Er erinnert noch ganz an die leichtlebenden olympischen Götter des Homer. Kennt der Aristotelische Gott die Einzelwesen der Welt? Nein, antworten wir. Denn die Einzelwesen find mit Stofflichem